Tierfütterung: Winterzeit ist Carotin-Mangelzeit

Grüne Pflanzen enthalten in großen Mengen Carotin. Bei Grünfütterung oder Weidehaltung ist nie mit einem Carotin-Mangel zu rechnen. Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen kommen Kühe aber immer seltener in den Genuss von frischem Grünfutter – häufig wird das ganze Jahr Silage gefüttert. In Futterkonserven schwanken die Carotingehalte stark.

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Bereits während der Ernte gehen große Mengen Carotin durch die Einwirkung von Sonneneinstrahlung oder auch Regen verloren. Bei gut einsilierter Grassilage liegt der Carotingehalt kurz nach der Ernte bei cirka 120 bis 200 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse, Maissilage liegt mit 30 bis 90 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse deutlich darunter und Heu bildet mit zwölf bis 35 Milligramm pro Kilogramm Trockenmasse das Schlusslicht. Auch die beliebten Rübenschnitzel enthalten nur minimale Mengen Carotin.

Das große Problem bei den Silagen ist der Verlust von Carotin im Verlauf der Lagerung. Vom Frühjahr bis zum Ende des Winters nimmt der Carotingehalt um etwa die Hälfte ab. Das erklärt teilweise die zunehmenden Fruchtbarkeitsprobleme im Winter. Ein Mangel an Beta-Carotin führt nicht selten zu Fruchtbarkeitsproblemen, denn es ist wichtig für die Funktion der Gebärmutterschleimhaut und der Eierstöcke. Es fördert die Entwicklung von Follikeln und Gelbkörpern sowie die Synthese des Trächtigkeitschutzhormons Progesteron. Untersuchungen zeigen bei Mangelversorgung einen negativen Effekt auf die Brunstintervalle und Länge der Brunst. Außerdem verzögert sich der Eiblasensprung und es wurde eine vermehrte Bildung von Gelbkörper- und Follikelzysten beobachtet. Bei Zuchtbullen hat Carotin-Mangel einen negativen Effekt auf die Gesamtspermienanzahl und die Anzahl der vorwärtsbeweglichen Spermien.

Die Jungrinder dürfen in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Diese müssen sich häufig mit älteren Grassilagen oder Heu begnügen. Ein Großteil der Zystenbildung im Jungviehbereich steht im direkten Zusammenhang mit einer Carotin-Mangelsituation. In der Tabelle wird für zwei unterschiedliche Leistungsgruppen eine Berechnung zur Versorgung mit Carotin durchgeführt. Dabei muss besonders die Grundfutterverdrängung bei höherer Kraftfuttergabe berücksichtigt werden.

Schnell wird klar, dass Maissilage und Heu mit geringen Carotingehalten in der Frischmasse keinen nennenswerten Beitrag zur Versorgung leisten. Grassilage hingegen bringt 625 beziehungsweise 525 Milligramm Carotin in die Ration. Der Erhaltungsbedarf liegt bei etwa 100 Milligramm pro Kuh und Tag, für die Leistung können 20 Milligramm pro Kilogramm Milch angesetzt werden. Die Berechnung zeigt, dass eine Kuh mit 20 Kilogramm Milchleistung bei dieser Ration ausreichend versorgt ist. Während die hochleistende Gruppe mit 99 Milligramm im Defizit ist. Besonders die Tiere in den ersten 100 Laktationstagen reagieren empfindlich auf Carotin-Mangel, denn in diesen Zeitraum fällt die Besamung.

In der Praxis wird zur Ergänzung häufig auf Cobs aus Gras oder Luzerne zurückgegriffen. Durch den speziellen Trocknungsprozess bleibt hier relativ viel Carotin erhalten. Auch der Einsatz von frischen Karotten hat sich bei entsprechender Preiswürdigkeit und Verfügbarkeit bewährt. Alternativ können die fehlenden 99 Milligramm durch synthetisches Carotin über ein Ergänzungsfuttermittel verabreicht werden. In diesem Rechenbeispiel würden 10 bis 15 Gramm Miravit Carotin 8000 ausreichen, um den Bedarf der Gruppe zu decken. Bei unsicherer Versorgungslage werden 35 Gramm und bei extremer Mangelsituation bis zu 70 Gramm je Kuh und Tag gefüttert. Carotin 8000 ist schmackhaft und wird sehr gut aufgenommen, auch bei Handvorlage. Abgerundet wird das Produkt durch die Vitamine A und E.

Weitere Informationen erteilt Anna-Carina Tschöke, Tel. 0173 . 7293226; anna-carina.tschoeke@agravis.de sowie die kostenlose Hotline, Tel. 0800 . 682-1133.