AGRAVIS-Experte hilft: jeder Baum ist ein Unikat

Es ist nahezu bilderbuchhaft vorweihnachtlich in Sandkrug, unweit von Oldenburg. Doch die Idylle auf den ersten Blick trügt ein bisschen, denn auf dem Köhrmann-Hof ist emsige Betriebsamkeit angesagt. Weihnachten ist dort fast das ganze Jahr: Auf rund 50 Hektar - 7.000 Bäume je Hektar - wachsen Nordmann-Tannen und warten auf ihren Einsatz als Christbaum. Köhrmanns setzen dabei nicht nur auf ihre Erfahrung, sondern auch auf die Hilfe von Frank Uwihs, Sonderkulturen-Experte der AGRAVIS Raiffeisen AG Sonderkulturen-Experte der AGRAVIS Raiffeisen AG .

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Damit die Tannenbäume einen möglichst perfekten Auftritt hinlegen, sorgen sich Andrea und Gerno Köhrmann zusammen mit ihren Mitarbeitern um jeden einzelnen Baum.

Doch es dauert, bis eine Nordmann-Tanne vom kleinen Sämling zu einem stattlichen Weihnachtsbaum herangewachsen ist. Die Bäume, die von Baumschulen nach Sandkrug kommen, sind bereits drei bis vier Jahre alt, aber nur 10 bis 15 Zentimeter groß. Schlagreif ist eine Kultur nach sieben weiteren Jahren. In der Regel dauert es gut zehn Jahre, bis eine Fläche voll geräumt ist. In dieser Zeit kostet jeder einzelne Baum viel Geld und Einsatz. „Wir schneiden die Bäume in Form, halten die Flächen unkrautfrei, düngen, kümmern uns um die Frostschutzberegnung“, zählt Gerno Köhrmann nur einige von vielen Arbeitsschritten auf. Ab Mitte November erfolgt die Ernte.

Bereits ab August flattern an den Wipfeln allerlei bunte Markierungen. Dann kommen die Einkäufer und suchen ihre perfekten Tannen aus. Die Geschmäcker sind – wie auch bei den Privatpersonen, die im Advent auf die Suche nach dem einen Baum gehen –, ganz verschieden. „Einige setzen eher auf locker gewachsene Bäume, andere mögen es eher dicht oder gedrungen“, weiß Andrea Köhrmann aus Erfahrung. Vieles ist persönlicher Geschmack, doch auch bei Tannen gibt es Trends. In welche Richtung diese Trends gehen, zeigt sich ebenfalls schon im Sommer, wenn in Dänemark eine der größten Messen der Branche stattfindet.

Aus dem hohen Norden kam vor einigen Jahren auch der Trend zur Nordmann-Tanne nach Deutschland. „Sie sind sehr schön grün, nadeln und pieksen nicht - das erklärt die große Nachfrage“, sagt Gerno Köhrmann. Er hat zusammen mit seiner Frau den Betrieb in Sandkrug aufgebaut und setzt neben den Weihnachtsbäumen auf Spargel und Erdbeeren. Während die anderen beiden Kulturen nur begrenzt Saison haben, gibt es bei den Tannen täglich etwas zu tun. Mitarbeiter sind bei Wind und Wetter auf den Flächen – einzig Gewitter bilden eine Ausnahme.

Köhrmanns setzen dabei nicht nur auf ihre Erfahrung, sondern auch auf die Hilfe von Frank Uwihs, Sonderkulturen-Experte der AGRAVIS Raiffeisen AG Sonderkulturen-Experte der AGRAVIS Raiffeisen AG . Drei bis vier Mal im Jahr kommt Uwihs nach Sandkrug und tauscht sich mit Köhrmanns über die Gesundheit der Pflanzen, ihre Vitalität oder die perfekte Düngung aus. „Unser Ziel ist es, am Ende einen schön gewachsenen, grünen Baum zu haben“, erläutert der AGRAVIS-Experte. Dazu gehört auch, die Kulturen vor den Spätfrösten zu schützen, die den Bäumen so sehr zusetzen können, dass sie nicht mehr für den Verkauf geeignet sind. Aber auch Vögel, die sich die höchsten Punkte der Pflanze als Sitzplatz aussuchen, Triebe, die reguliert werden müssen, fordern Anbauer und Fachmann. „Jeder Baum ist ein Unikat. Für jeden die beste Maßnahme zum besten Zeitpunkt auszuwählen, erfordert Augenmaß, Handarbeit und Geschicklichkeit“, sagt Uwihs. Köhrmanns legen – allen Trends zum Trotz – großen Wert auf Natur und lassen dieser, bis auf kleinere Schönheitskorrekturen, ihren Lauf.

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit, darf es dann allerdings auch mal ein bisschen mehr sein. Zwei Wochen dauert es, bis der ganze Hof dekoriert ist. In der großen Halle erstrahlen zwei besonders schöne Tannen in vollem Glanz, sogar ein Weihnachtsdorf wird aufgebaut. „Wir müssen den Menschen etwas bieten“, sagt Andrea Köhrmann. Die Vermarktung ab Hof sei in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, daher haben sie sich etwas einfallen lassen. An drei Adventssonntagen haben unter anderem Familien die Möglichkeit, sich in den Kulturen ihren Baum auszusuchen, sich Anregungen für die Dekoration und den Baumschmuck zu holen.

Bei Köhrmanns selbst verläuft die Wahl der Tanne kurz und schmerzlos. „Wir fahren mit dem Auto durch die Schonung und meine Frau sagt, welcher ins Wohnzimmer kommt“, berichtet Gerno Köhrmann mit einem Schmunzeln. Damit sie bei all dem Stress auch etwas von ihrem Baum haben, darf er bereits am ersten Advent in die gute Stube. Damit er dort möglichst lange schön anzusehen ist, haben die Profis noch einen Tipp: Niemals ganz frisch geschlagene Bäume in die Wohnung holen. Lieber den Baum ein paar Tage in der Garage oder auf der Terrasse lagern und langsam an die neue, wesentlich wärme Umgebung gewöhnen. Dann steht einem langen, grünen und nahezu nadelfreien Weihnachtsvergnügen nichts mehr im Wege.