Ertragsfortschritt und Qualitätssicherung im Weizenanbau

In den vergangenen Jahren hat es bei vielen landwirtschaftlichen Kulturen durch züchterische Leistungen erhebliche Ertragssteigerungen gegeben. Im Weizen sind diese Steigerungen unter dem allgemeinen Trend geblieben. Denn die Züchtung hatte in den vergangenen Jahrzehnten die Qualitäts- und vor allem die Krankheitsresistenzverbesserung als Zuchtziel definiert. Ein positiver Nebeneffekt dieser auf Pflanzengesundheit und Umweltanpassung ausgerichtete Züchtungsarbeit ist, dass Weizen heute auch auf vielen Standorten mit geringerer Bodengüte angebaut werden kann.

Bildmaterial zum Content


Zurzeit kommen vermehrt neue Weizensorten Weizensorten zur Zulassung und in den Markt, die einen deutlichen genetisch bedingten Ertragszuwachs bringen. Diese erhöhte Ertragsleistung zeigt sich über den gesamten Qualitätsbereich E bis C, hauptsächlich aber im Segment A und B. Fast alle neuen Sorten sind mit einer sehr guten Blattgesundheit und verbesserter Halmbruchresistenz ausgestattet, auch kann oft eine verbesserte Wurzelleistung bei Trockenstress festgestellt werden. Ein Manko dieser neuen Hochertragssorten liegt in einer erhöhten Ährenfusariumanfälligkeit. Der Landwirt muss daher deutlicher als bisher abwägen, welche Sorten er in den Anbau nimmt. Diese unternehmerische Risikobetrachtung oder auch „Sicherheitsmanagement“, sollte nach Standortgegebenheiten, Bodenbearbeitung, Vorfrucht, Saattermin, Nutzungsrichtung sowie Ertragserwartung bewusst durchgeführt werden.

Unter dem Aspekt der Risikominimierung bei gleichzeitig höchsten Ertragserwartungen müssen bestimmte Weizensorten optimal in die Fruchtfolge eingepasst werden. Egal, ob die Ernteware im eigenen Betrieb verwertet wird oder als Marktware verkauft werden soll. Als Beispiel für diesen neuen Sortentyp sei die Sorte Tobak genannt. Neben einer guten Mehltauresistenz weist sie eine geringe Anfälligkeit für Gelbrost und Braunrost auf. Die Fusariumanfälligkeit der Sorte ist allerdings hoch. Dies erfordert ein Sicherheitsmanagement. Dazu gehört: kein Anbau von Tobak in Mulchsaat nach Maisvorfrucht. Nach Raps oder Zuckerrüben, mit Pflugfurche nach Getreidevorfrucht lässt sich das sehr hohe Ertragspotenzial der Sorte gut und sicher ausschöpfen.

Die Ertragsbildung sowohl über die Bestandsdichte wie auch über die hohe Korn- oder Ährenzahl macht die Sorte sehr verlässlich in der Ertragsleistung bei frühen und auch bei späten Saatterminen. Die hohe Einzelährenleistung sichert auch bei trockenen Bedingungen die Ertragsleistung ab.

Durch die gute Blattgesundheit der Sorte Tobak kann die Fungizidstrategie an den tatsächlichen Infektionsverlauf angepasst werden. Hier sind unter Umständen Behandlungen einzusparen oder mit preiswerten Präparaten ausreichend. Je nach Vegetations- und Infektionsverlauf sollte der Behandlungsschwerpunkt auf das T2- und ganz konsequent auf das T3- Segment gelegt werden. Zur Risikoabsicherung ist eine Abschlussbehandlung im Stadium BBCH 61 bis 63 (Blüte) mit sicherer Fusariumwirkung und voller Aufwandmenge vorzunehmen. Die Kosten der gesamten Fungizidaufwendungen für diese Sorte liegen somit nicht über denen anderer Sorten. Die Absicherung gegen Fusariumbefall muss über Fruchtfolgestellung, Bodenbearbeitung und einen gezielten Fungizideinsatz erfolgen.

Dann kann die genetisch hohe Ertragsleistung von Tobak voll ausgenutzt werden. Bei entsprechend hoher N-Versorgung können die Kornqualitäten der Ernteware bis in das Qualitätssegment A gebracht werden. Die hier beispielhaft an der Sorte Tobak dargestellten Sorteneigenschaften: sehr hohe Ertragsleistungen, Blattgesundheit, variabel in der Standort- und Saatzeitanpassung, Anfälligkeit für Fusariuminfektionen werden uns bei neueren Hochertragssorten noch für einige Zeit begleiten. Eine generelle Ablehnung dieser Sorten bedeutet Verschenken von Ertragsleistung. Die vergleichende Prüfung in den LSVs sollte vorgenommen werden.

In stark maisbetonten Fruchtfolgen können Sorten wie Anapolis angebaut werden. Die Sorte hat eine gute Spätsaateignung, ist kurz im Wuchs, standfest, hat eine hervorragende Blattgesundheit und ist mit einer geringen Anfälligkeit für Ährenfusarium ausgestattet. Der Landwirt ist gut beraten, nicht allzu leichtfertig mit diesen „fusariumresistenten“ Sorten umzugehen. Eine flache Mulcharbeit nach der Maisernte, mit hohen Ernteresten an der Oberfläche des Ackers, stellt ein enormes Risikopotenzial für Fusariuminfektionen dar. Untersuchungen aus der AGRAVIS-Getreideerfassung AGRAVIS-Getreideerfassung zeigen, dass auch Sorten mit einer geringen Anfälligkeit für Ährenfusarium hochgradigen Befall aufweisen können. Bei einer derartigen Fruchtfolgestellung muss immer eine geeignete Fungizidmaßnahme in die Ähre erfolgen, um die Qualität und Gesundheit der Ernteware zu erhalten.

AGRAVIS Raiffeisen AG Kontakt:
Industrieweg 110 48155 Münster ,
Tel:( 0251 ) 6820 FB Twitter Youtube Google+ Instagram