Getreideernte beginnt in ersten Regionen

Hitze und Trockenheit im Juni könnten vielerorts Erträge mindern

Ernte 2018: Hitze und Trockenheit im Juni könnten vielerorts Erträge mindern


Die Mähdrescher sind im Einsatz. Das Anbaujahr 2017/2018 neigt sich dem Ende zu und lässt regional unterschiedliche Ernten Ernten erwarten. Die AGRAVIS-Pflanzenbau Pflanzenbau-Experten berichten aus den verschiedenen Regionen. AGRAVIS-Agrarmarktanalyst Bernhard Chilla AGRAVIS-Agrarmarktanalyst Bernhard Chilla erläutert außerdem die Situation in wichtigen Anbauregionen Europas und gibt Prognosen zur Nachfrage.

Ostfriesland: Nässe im Herbst und Trockenheit im Frühjahr

Nachdem im Herbst 2017 im Arbeitsgebiet der AGRAVIS Ems-Jade GmbH aufgrund von Niederschlägen nur zirka 15 Prozent des Wintergetreides in die Erde gekommen sind, fehlten vor allem in den vergangenen Wochen die Niederschläge. „Durch den hohen Anteil an Sommergetreide, vor allem Sommergerste und Hafer, und die aktuelle Trockenheit gehen wir von einer deutlich unterdurchschnittlichen Ernte aus“, erklärt Stefan Pielsticker, operativer Leiter der AGRAVIS Ems-Jade GmbH. Der Erntebeginn in Ostfriesland steht kurz bevor, doch durch die Trockenheit sind die Körner schlecht ausgebildet und die Bestände reifen ab (Notreife). „Gleichzeitig wird sich die Ernte aufgrund unterschiedlicher Saatzeitpunkte über einen längeren Zeitraum ziehen“, lautet Pielstickers Prognose.

Start in die Ernte in Südniedersachsen

Lag vergangenes Jahr der Erntebeginn in der zweiten Juli-Woche, so war in diesem Jahr Ende Juni bereits zu etwa einem Drittel die Gerste eingefahren, berichtet Joachim Wassmann, bei der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH für den Handel mit Getreide zuständig. Spätestens Ende der ersten Juli-Woche dürfte dann nach seiner Einschätzung die Gerstenernte abgeschlossen sein. Selbst bessere Böden verbuchen gegenüber dem langjährigen Mittel zirka 20 Prozent Minderertrag, der auf leichten, sandigen Böden auch 40 Prozent und mehr ausmacht. Die anfangs qualitative große Streubreite stellt sich gegen Ende noch als durchschnittlich zufriedenstellend heraus. Sonniges Standwetter lässt die Erntezeitpunkte näher aneinander rücken. Seit dem 1. Juli sind auch schon vereinzelt Raps, Roggen und Weizen gemäht worden. „Für repräsentative Aussagen über Ertrag und Qualität muss man auf die Haupternte warten“, erklärt Wassmann.

Historisch frühe Ernte in Ostwestfalen

„Im Arbeitsgebiet der AGRAVIS Kornhaus Ostwestfalen GmbH zeichnet sich ein regional sehr unterschiedliches Bild und insgesamt eine historisch frühe Ernte ab“, erklärt Stefan Bobbert, Außendienst der AGRAVIS Kornhaus Ostwestfalen GmbH. „In der Weserregion und rund um Höxter hat es innerhalb der vergangenen zwei Monate nur 25 bis 50 Liter je Quadratmeter geregnet. Es gab auch Regionen mit rund 125 Litern je Quadratmeter. Da gibt es gewaltige Unterschiede.“ Das warme Wetter hat für ein Turbofrühjahr und damit für eine extrem schnelle Abreife des Getreides gesorgt, sodass direkt nach dem AGRAVIS-Feldtag am 20. Juni die Ernte der Gerste startete. In den Getreideannahmen wird nun sogar schon der erste Raps angeliefert. „Wir rechnen damit, dass bald alles vom Feld ist“, so Bobbert. Für die Getreideernte sieht der Experte insgesamt Einbußen von 15 bis 20 Prozent, beim Weizen seien auch 30 Prozent möglich und beim Raps sogar 30 bis 40 Prozent. Für die Erträge und Qualitäten ist derzeit vor allem entscheidend, wie gut die Böden Wasser speichern können. „Es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: Die Preise entwickeln sich gut.“ Außerdem freuen sich die Landwirte während der Ernte zumindest über das beständige Wetter. „Der Mais hat durch die Witterung bislang noch keinen Schaden genommen und steht gut. Die Pflanzen werden jedoch in Kürze Wasser benötigen, um sich weiterhin gut zu entwickeln“, hält Stefan Bobbert fest.

Franken: Der erste Raps wird geerntet

Wie überall in Deutschland hat es auch im Gebiet der AGRAVIS Bamberg GmbH in Franken zuletzt nur sehr wenige Niederschläge gegeben. Stellenweise regnete es in den vergangenen zweieinhalb Monaten nur 50 bis 60 Liter Wasser pro Quadratmeter. „Dadurch entstanden Trockenschäden in allen Kulturen“, berichtet Andreas Grambs von der AGRAVIS Bamberg GmbH. Das fehlende Wasser macht sich überall bemerkbar. „Jetzt wird es auch langsam kritisch für die Zuckerrüben und den Mais.“ Zum Glück sei die Wintergerste größtenteils geerntet, die etwa Erträge von 35 bis 65 Doppelzentner pro Hektar gebracht habe. An den Getreideannahmestellen wird auch bereits der erste Raps angeliefert. Grambs rechnet mit 20 bis 50 Prozent Ertragseinbußen im Vergleich, auch bei Triticale und Weizen. „Die Pflanzen sind bei der Wärme im Frühjahr auch einfach viel zu schnell gewachsen, das war suboptimal.“ Noch zehn Tage Sonne für die Ernte sei gut, so Grambs, „dann ist alles durch.“

Produktionsaussichten werden stark sinken

Ernteexperten rechnen insgesamt damit, dass in den norddeutschen Bundesländern sowie in Sachsen-Anhalt und Brandenburg die Produktionsaussichten stark sinken. Die Getreideernte in Deutschland könnte auf 42 bis 43 Mio. Tonnen fallen nach 45,6 Mio. Tonnen im Vorjahr, darunter Weizen 22-23 (24,5) Mio. Tonnen. Die Ernte von Raps könnte auf 3,8 bis 4,1 Mio. Tonnen fallen nach 4,3 Mio. Tonnen im Vorjahr.

Europaweit Ernteeinbußen durch Trockenheit befürchtet

Nicht nur in wichtigen Anbaugebieten Deutschlands, sondern auch in den Nachbarstaaten Polen, Dänemark sowie in England und den baltischen Staaten herrschen seit Mitte April sehr trockene und auch sehr warme Witterungsbedingungen vor, so das Fazit von AGRAVIS-Marktanalyst Bernhard Chilla. Die Ernteerwartungen werden aktuell Stück für Stück gesenkt. Somit sollte auch das EU-Weizenangebot 2018/19 bei den aktuellen Ernteerwartungen für Deutschland, England oder Polen im Vergleich zum Vorjahr sinken. Daher wurden große Hoffnungen in die Produktion Frankreichs gesetzt. Doch in Frankreich tauchten in der vergangenen Woche vermehrt Berichte auf, dass die Ernteerwartung nun doch nicht so hoch sei wie noch Mitte Juni gedacht wurde und das Exportpotenzial des Landes – auch für Exporte nach Deutschland – erheblich reduzieren könnte. Somit könnte das gesamte EU-Weizenangebot noch stärker sinken als derzeit beispielsweise vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium für die EU erwartet wird.

Deutscher Weizen im Export gefragt

Wie sich die Getreidevorräte im Laufe des Wirtschaftsjahres 2018/19 entwickeln, hängt nun von der Nachfrage vor allem im Futtersektor und im Exportmarkt ab. Deutscher Weizen dürfte auch wieder im Export gefragt sein, wenn die Qualitäten in diesem Jahr besser ausfallen sollten als 2017. Vor allem deshalb, weil in den baltischen Staaten das Exportpotenzial deutlich unter dem des Vorjahres liegen sollte. Doch auch das deutsche Weizenexportpotenzial ist limitiert. Nur ein deutlicher Rückgang des Verbrauches im Futtersektor würde den Weg in Richtung Export wieder freimachen. Doch der Verbrauch im heimischen Futtersektor dürfte nur dann stark sinken, wenn zum einen die Mischfutternachfrage deutlich sinkt oder mehr Getreide aus anderen Ländern importiert wird. Dieses würde dann im Laufe des Wirtschaftsjahres vor allem den Import von Mais betreffen. Der Einsatz von Gerste in Deutschland scheint auch begrenzt zu sein. Wie für den Weizen dürfte das EU-Angebot vor allem in allen wichtigen Exportländern gegenüber dem Vorjahr sinken. Dieses betrifft neben Frankreich auch wieder Deutschland. Die Wintergerstenerträge haben in weiten Deutschlands – Ausnahme scheinen der Süden und der Westen des Landes zu sein - enttäuscht. Da aber auch in der Ukraine und auch in Russland weniger Gerste als 2017/18 zur Verfügung stehen sollte, dürfte deutsche Gerste im Falle von ausreichender Qualität zusätzlich im Exportmarkt gefragt sein.

EU-Getreideversorgung könnte zu knapp sein

Alles in allem steht die EU 2018/19 vor sehr vielen Herausforderungen, um die Versorgung hierzulande sicherzustellen. Somit könnte die EU-Getreideversorgung so knapp sein wie zuletzt im Wirtschaftsjahr 2007/08. Damals wurde die EU zu einem sehr großen Importeur von Mais, Sorghum und auch Sojaschrot, um Engpässe im heimischen Markt auszugleichen. Dieses könnte auch in diesem Jahr wieder erwartet werden, da einfach das EU-Getreideangebot nicht ausreichend zur Verfügung stehen könnte. Voraussetzung aber ist, dass die aktuellen Ernteerwartungen auch tatsächlich so eintreffen.

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