„Weizenproduktion 2018 vermutlich niedriger“

Experten-Analyse zu den Auswirkungen des Wetters

Experten-Analyse zu den Auswirkungen des Wetters auf die Ernte 2018


Der April 2018 war in Deutschland der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahre 1881. Der Mai knüpfte nahtlos daran an. Einen echten Frühling hatten die Landwirte nicht, vom kalten Februar und März ging es fast nahtlos über in den Frühsommer. Der Mai mit seiner Hitzephase mit bis zu 35 Grad erinnerte dann schon an Hochsommertage im August.

Wasser fehlt

Die alte Bauernregel „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun' und Fass“ lässt für die Ernte 2018 einiges befürchten: Denn der Mai 2018 war weder kühl noch nass. Wenn es regnete, dann gleich in Sturzbächen, was für das Getreide auf den Feldern nicht förderlich ist. Ansonsten fehlte das Wasser. Dabei benötigen die Pflanzen in der aktuellen Wachstumsphase ständig ausreichend Wasser, um die Nährstoffe aus dem Boden sowie aus dem Dünger aufnehmen und verwerten zu können.

AGRAVIS-Agrarmarktanalyst Bernhard Chilla AGRAVIS-Agrarmarktanalyst Bernhard Chilla hat nicht nur die deutschen, sondern die globalen Märkte im Blick. Er sieht das überall trockene Wetter in einer ersten Einschätzung zu den Auswirkungen auf die Welt-Weizenernte 2018 kritisch.

Wie ist die Situation beim Weizen nach dem Frühjahr 2018?
Die sehr warme und trockene Wetterlage seit April in weiten Teilen Europas verändert die Ertragserwartungen zur Ernte 2018/19. Um das Weizenangebot 2018/19 in den Exportländern auf dem Vorjahresniveau zu halten, müssten die Erträge höher sein als noch im Vorjahr. Doch scheint in diesem Jahr das Wetter bis Ende Mai weltweit die Voraussetzungen dazu nicht zu geben. In den USA war es im Winterweizengürtel des HRW-Weizens lange Zeit viel zu trocken und auch zu warm, sodass dort das Ertragsniveau derzeit niedriger eingeschätzt wird als im Vorjahr. Dieses ist insofern wichtig, weil der HRW-Weizen ähnliche Qualitäten aufweist wie deutscher, polnischer und baltischer Weizen und dadurch im Exportmarkt mit dem Weizen aus der EU konkurriert. Aber auch in Russland sind teilweise die Wachstumsbedingungen alles andere als ideal und unterscheiden sich erheblich von denen des Vorjahres. Seit Anfang April ist zum einen eine viel zu trockene Wetterlage zu beobachten, zum anderen liegen auch die Temperaturen leicht über dem langjährigen Mittel.

Wie sind die Einschätzungen von Experten?
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium erwartet eine deutlich niedrigere Ernte als im Vorjahr. Auch lokale Marktbeobachter schätzen die Produktion 2018 niedriger ein.

Wie sieht es in Europa aus?
Die Erntehöhe aus Russland ist entscheidend für das Exportpotenzial des Landes im Wirtschaftsjahr 2018/19. Zwar sind die Vorräte aus 2017/18 noch hoch, aber dennoch sollten die Ausfuhren gegenüber dem Vorjahr sinken. Somit müssten andere Exportländer diesen Rückgang kompensieren. Normalerweise müsste die EU in die Bresche springen. In Frankreich soll nach Einschätzungen lokaler Marktbeobachter eine sehr gute Ernte heranwachsen. Aber alleine kann es eine Lücke nicht füllen. Auch Deutschland, Polen und die baltischen Staaten müssten etwas beitragen. Doch auch dort sind die Wachstumsbedingungen alles andere als ideal. Die Anbaufläche ist niedriger als 2017/18 und nun herrscht in den wichtigsten Exportregionen dieser Länder seit April sehr warmes und auch trockenes Wetter vor. Derzeit gehen viele Ernteerwartungen für 2018/19 davon aus, dass weniger als im Vorjahr produziert wird. Somit scheint das Exportpotenzial niedriger auszufallen als 2017/18.
In Deutschland ist die Situation zweigeteilt: In den Kernexportregionen ist zu trocken und viel zu warm. Zusätzlich ist dort die Anbaufläche des ertragreichen Winterweizens wegen der sehr nassen Witterung im Herbst 2017 signifikant niedriger als noch im Jahr zuvor. Dagegen sind in den südlichen und auch westlichen Regionen die Wachstumsbedingungen deutlich besser und auch die Ertragsvoraussetzungen aktuell gut bis sehr gut. Trotzdem sollte es in diesem Jahr schwierig werden, die Vorjahresproduktion in Deutschland zu übertreffen.

Gibt es noch Hoffnung auf eine bessere Ernte?
Ein wichtiger Punkt sollte nicht vergessen werden: Sehr gutes Wachstumswetter im Juni kann die Ernteerwartungen noch nach oben schrauben. Erinnert sei an 2008: Damals waren auch ungünstige Wachstumsbedingungen zwischen April und Anfang Juni verzeichnet worden und die Erträge haben am Ende sehr positiv überrascht.

Mehr zum Thema lesen Sie hier in der Kolumne "Chilla checkt!" des AGRAVIS-Agrarmarktanalysten Bernhard Chilla.

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