Marktbericht Energiemärkte

Entwicklung bei Brenn- und Kraftstoffen

27.8.2020: Eike Mehnert, Energie-Experte der AGRAVIS, betrachtet im aktuellen Marktbericht die Märkte für Brenn- und Kraftstoffe.

Bedingt durch die Corona-Pandemie ist der Absatz von Mineralölprodukten von Januar bis April gegenüber den ersten vier Monaten des Vorjahres um 17 Prozent zurückgegangen, das zeigt der Blick auf die Zahlen des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV). Heizölkunden hatten sich im 4. Quartal aufgrund niedriger Preise, der Aussicht auf Wiederanhebung der Mehrwertsteuer und des CO2-Aufschlags überproportional eingedeckt.

Nach den massiven Nachfrage- und Preiseinbrüchen am Mineralölmarkt ziehen nun die Ölnotierungen in Erwartung einer globalen Nachfragerholung wieder nachhaltig an. Die deutschen Verbraucher:innen mussten in den vergangenen 12 Monaten für Brenn- und Kraftstoffe Preissteigerungen von deutlich über 25 Prozent zahlen. Doch sind die international anziehenden Ölpreise nicht allein der Auslöser für die hohen Preise in Deutschland. So hat die Regierung vor dem Hintergrund verschärfter Klimaschutzgesetzgebung diverse Maßnahmen beschlossen, um die Treibhausgasemissionen stark zu reduzieren und fossile Energieträger nachhaltig zu verteuern.

Seit diesem Jahr wird durch die Einführung der CO2-Steuer von aktuell 25 Euro/Tonne ein Preisaufschlag von etwa 7 Cent/Liter Diesel erhoben, bis 2025 wird schrittweise bis auf 55 Euro/Tonne angehoben. Das entspricht einer weiteren Erhöhung bis auf circa 15 Cent. Zusätzlich wird die Treibhausgasminderungsverpflichtung für Kraftstoffe von aktuell 6 Prozent (entspricht circa 7 Cent) bis 2030 schrittweise auf 25 Prozent erhöht (Kosten sind noch nicht seriös kalkulierbar). Durch die bisher etablierte Beimischung von Biodiesel und Bioethanol zu den fossilen Kraftstoffen lassen sich selbst die für 2021 geltenden Minderungsverpflichtungen bereits heute kaum erfüllen. Entsprechend müssen voraussichtlich schon ab dem kommenden Jahr Minderungsquoten teuer erkauft oder Strafzahlungen einkalkuliert werden.

Am Beispiel Diesel lässt sich verdeutlichen, welche Abgabenlast die deutschen Verbraucher bereits heute tragen: Bei einem Tankstellenpreis von beispielsweise 1,30 Euro/Liter werden folgende Abgaben erhoben: Energiesteuer: 0,47, Treibhausgasminderung: 0,07, CO2: 0,07, MwSt.: 0,21. Da die Klimaschutzgesetzgebung auf EU-Ebene und vor allem national deutlich an Fahrt aufnimmt, ist von weiteren Maßnahmen auszugehen, die den fossilen Bereich perspektivisch immens verteuern und alternative Kraftstoffe/Antriebstechnologien weiter in den Fokus rücken werden.

Die niedrigen Preise der vergangenen Jahre sind leider Vergangenheit. Ein Grund ist der allgemeine Preisanstieg im Rohstoffsektor. Auch die seit Anfang des Jahres erhobene CO2-Steuer trägt dazu ihren Teil bei. Mit Blick auf die zu erwartende wirtschaftliche Erholung und die weltweit aufgelegten Konjunkturprogrammen steht zu befürchten, dass sich dieser Trend mittelfristig fortsetzt.

Bei Modernisierungsmaßnahmen werden häufig alte Ölheizungen durch neue Gasbrennwertthermen ersetzt. Die BAFA bietet hier attraktive Zuschüsse für Gas-Hybridheizungen von bis zu 45 Prozent auf die gesamte Investitionssumme an. Grundsätzlich gibt es manches zu bedenken. In Außenbereichen etwa erweist sich eine leitungsgebundene Gasversorgung oft als schwierig oder teuer. Die Trennung von Netz und Versorgung treibt zudem die Kosten für einen Erdgasanschluss in die Höhe. Bei Modernisierungen entscheiden sich immer mehr Kunde:innen gegen Heizöl-, Nachtspeicher- oder Kohleheizungen. Hiervon profitiert Propan als einfache, saubere und umweltfreundliche Alternative. Im gesamten Energiemix spielt Propan mit einem Marktanteil von circa 2 Prozent der gesamten Heizungsanlagen bisher zwar eine verhältnismäßig geringe Rolle. Prognosen zufolge aber dürfte dieser Marktanteil in den kommenden Jahren konstant steigen, nicht zuletzt bei niedrigen Zinsen.

LNG (Liquefied Natural Gas) bezeichnet einen neuen alternativen Kraftstoff für den Schwerlastverkehr. Es handelt sich hier um verflüssigtes Erdgas. Die dazugehörigen LKW werden von namhaften Herstellern wie Volvo, Scania oder Iveco angeboten. Die Technik ist ausgereift und steht problemlos zur Verfügung. Momentan wird das gehandelte Produkt noch zu großen Teilen aus fossilem Erdgas gewonnen. Im Zuge des „Green Deal“ der EU aber wird das Angebot kontinuierlich auf LNG aus Biogas umgestellt. Die Produktion wurde im vergangenen Jahr stark gesteigert, das Tankstellennetz hat mitgezogen, inzwischen kann man hier von einer flächendeckenden Versorgung sprechen. Mit Blick auf die schrittweise Umstellung von fossilem LNG auf BIO-LNG und die damit verbundene Klimaneutralität dürfte dessen Bedeutung in Zukunft weiter zunehmen. Entsprechend wird auch die Anschaffung der Fahrzeuge staatlich gefördert. Es gilt weiter eine Mautbefreiung bis zum 31. Dezember 2023.
AGRAVIS: Im Verbund LNG-Tankstellen ans Netz gebracht

Der Rückgang der Nachfrage nach Autogas in den vergangenen Jahren ist vorerst gestoppt. Inzwischen stabilisiert sich die Nachfrage auf niedrigem Niveau. LPG-Autogas ist nach wie vor eine umweltfreundliche und kostengünstige Alternative für umwelt- und kostenbewusste Autofahrer. Auch auf Gesetzesseite herrscht endlich Klarheit. Die Steuer auf Autogas wird bis 2023 stufenweise moderat erhöht, nach 2023 soll dann keine weitere Erhöhung mehr kommen. Das gibt potenziellen Kunden Planungssicherung bei Neuinvestitionen und sichert die Wettbewerbsfähigkeit des Produkts.

Die Großhandelsmärkte für Strom und Erdgas sind seit Monaten von einem kräftigen Preisauftrieb bei hoher Volatilität durch teils deutliche aber bisher nicht nachhaltige Rücksetzer gekennzeichnet. Dabei zeigen sich die kurz- und mittelfristigen Notierungen bis zum Ende des 1. Quartals 2022 besonders lebhaft. Als Gründe sind zum einen die Störung der eingespielten Lieferketten von US-Flüssiggas zu nennen. Durch den massiven Preisverfall im Corona-Jahr 2020 waren die Fördermengen erheblich reduziert worden. Da der wirtschaftliche Wiederanlauf in Asien früher begann und letztlich auch eine stabile Dynamik entwickeln konnte, treffen höhere Nachfrage auf ein weltweit erst zögerlich anspringendes Angebot. Der sogenannte Japan-Korea-Marker, ein viel beachteter Preisindex für den pazifischen Raum, zeigt kontinuierlich ein höheres Niveau als der westeuropäische Markt.

Hinzu kommen die allgemein preistreibenden Entwicklungen an den übrigen Rohstoffmärkten, sodass zunächst nicht mit einem Rückgang auf die als gesund empfundenen Notierungen zu rechnen ist. Zudem haben die politischen Verstimmungen um die Fertigstellung der Ostsee-Pipeline North Stream II erhebliche Unsicherheiten in den Markt gebracht. Die russischen Exporteure haben in der Wahrnehmung vieler Marktteilnehmer zu wenig Kapazitäten über andere Lieferrouten gebucht. Alle diese Umstände treffen mit dem europaweit niedrigsten Speicherstand seit vielen Jahren zusammen. In der Folge entspricht der Anstieg beim Erdgas seit Anfang des Jahres teilweise einer Verdopplung. Am letzten Handelstag im Juli wurde erstmals die 40-Euro/MWh-Marke für das 4. Quartal gerissen. Ab Sommer 2022 sehen wir hohe, aber vergleichsweise moderate Preise zwischen 22,50 und 24,50 Euro/MWh.

Am Strommarkt zeigt sich ein grundsätzlich vergleichbares Bild. Allerdings ist hier der CO2-Preis auf Erzeugerebene ein weiterer wichtiger Treiber. Die Höchststände von beinahe 80 Euro/MWh für das Lieferjahr 2022 sind per Anfang August noch nicht wieder erreicht. Interessanterweise stieg auch die Kohle – trotz der CO2-Thematik – auf deutlich über 100 Euro/Tonne auf den vorderen Terminen und ist dennoch trotz der hohen CO2-Preise noch konkurrenzfähig gegenüber Gas.

Verbraucher:innen ist zu raten, die unausweichlichen Preiserhöhungen der Versorger für kurze Laufzeiten bis zu 12 Monaten zu akzeptieren oder für längere Laufzeiten nach günstigeren Konditionen zu fragen, um so einen moderaten Durchschnittspreis für z. B. 24 Monate zu erzielen.

In den Sommermonaten bleibt der Einkauf von Holzpellets für die Endverbraucher:in am günstigsten, Förderprämien von Bund und Ländern werden angenommen. Der DEPV (Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V.) meldet für den Monat Juli einen leichten Anstieg der Preise um circa 1,8 Prozent, und damit fast unverändert zum Juli 2020. Somit kostet eine 6-Tonnen-Lieferung im bundesweiten Durchschnitt 225,24 Euro/Tonne. Das entspricht 22,52 Cent pro Kilo oder 4,50 Cent pro Kilowattstunde.

Erfreulich sind weiterhin die Entwicklungen in punkto Wärmewende. Durch die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und die damit verbundenen Förderbedingungen für erneuerbare Wärme steigen die Förderanträge weiter stark an. Wer sich entscheidet, seine Ölheizung gegen eine moderne Holzpelletsheizung zu tauschen, kann mit einem Förderbetrag von mindestens 45 Prozent der Kosten rechnen. Alternativ dazu gibt es zinsgünstige Darlehen in Höhe von bis zu 60.000 Euro je Wohnung. Der zurückzuzahlende Kreditbetrag wird dann um den Zuschuss in Höhe von 45 Prozent gemindert („Tilgungszuschuss“). Seit dem 1. Juli ist es sogar noch einfacher, diese Finanzierung in Anspruch zu nehmen, nämlich mit der Möglichkeit, bei der KfW eine Kreditförderung inklusive Tilgungskredit für die gesamte Einzelmaßnahme zu beantragen. Dann ist nur noch ein Antrag notwendig. Wer keinen Kredit benötigt, kann seine Förderung in gleicher Höhe beim BAFA beantragen.

Für die Versorgung der Kunden in den Wintermonaten haben sich die Genossenschaften abermals gut aufgestellt. So hat das Netzwerk im RPellets-Verbund rund um die Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH sowohl im Lager- als auch im Logistikmanagement aufgestockt und die Kapazitäten erweitert. Aktuell zählen 13 Fahrzeuge in eigener Disposition, diverse Auslieferungsfahrzeuge in genossenschaftlicher Kooperation sowie 11 dezentrale Lagerstätten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und Sachsen-Anhalt zum Unternehmen.

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