Marktbericht Energiemärkte

Entwicklung bei Brenn- und Kraftstoffen

20. 8. 2020: Eike Mehnert, Energie-Experte der AGRAVIS, betrachtet im aktuellen Marktbericht die Märkte für Brenn- und Kraftstoffe.

Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Mobilitätseinschränkungen haben seit März zu einem nie zuvor gesehenen globalen Nachfrageeinbruch für Ölprodukte geführt. Entsprechend brachen die Preise für Rohöl, vor allem aber für Fertigprodukte, von Anfang März bis Ende April massiv ein. Flugverkehr, Schifffahrt, aber auch Last- und Personenverkehr kamen nahezu zum Erliegen, sodass der Produktverbrauch eklatant rückläufig war. Wegen der weiterlaufenden Produktion mussten die Ölprodukte eingelagert werden, Tankraum war global nicht mehr verfügbar, selbst große Tankschiffe wurden als Lager gechartert.

Diese Situation führte zu einem Novum. An der Nymex wurde die Referenzsorte WTI mit Auslaufen des Frontmonats zu negativen Konditionen gehandelt, da das Öl physisch nicht abgenommen werden konnte.
Weil die größten Ölförderländer auf die Einnahmen aus dem Ölgeschäft zur Finanzierung ihres Staatshaushalts angewiesen sind, einigte man sich nach vielen Diskussionen darauf, die Produktion um rund 10 Millionen Barrel pro Tag zu drosseln – die größte Produktionskürzung in der Geschichte der OPEC. In der Folge stabilisierten sich ab Mai die Preise.

Auch der deutsche Mineralölmarkt wurde durch die coronabedingten Einschränkungen einschneidend beeinflusst. Erheblich reduzierter Lastverkehr sowie kaum Individualverkehr auf Grund von Kurzarbeit und Homeoffice bewirkten Absatzrückgänge an den Tankstellen von bis zu 80 Prozent für Kraftstoffe. Lediglich der Heizölabsatz explodierte, weil sich die Verbraucher den attraktiven Preis gesichert haben.

Nach der coronabedingten Tiefpreisphase Anfang des Jahres haben sich die Preise auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Mit weiteren Preisrückgängen ist, mit Blick auf die zu erwartende steigende Nachfrage, zurzeit nicht zu rechnen. Bei Altbausanierungen werden alte Ölheizungen momentan häufig durch neue, moderne Gasbrennwertthermen ersetzt. Hier bietet die BAFA aktuell attraktive Zuschüsse für Gas-Hybridheizungen bis zu 45 Prozent auf die gesamte Investitionssumme. Bei Modernisierungen entscheiden sich zunehmend mehr Kunden gegen Heizöl-, Nachtspeicher- oder Kohleheizungen. Hiervon profitiert Propan als einfache, saubere und umweltfreundliche Alternative. Im gesamten Energiemix spielt Propan mit einem Marktanteil von cirka 1,5 Prozent der gesamten Heizungsanlagen bisher zwar noch eine geringe Rolle. Prognosen zufolge aber dürfte der Marktanteil in den kommenden Jahren konstant steigen.

LNG (Liquefied Natural Gas) ist ein neuer alternativer Kraftstoff für den Schwerlastverkehr. Es handelt sich hier um verflüssigtes Erdgas; entsprechende Lkw bieten namhafte Hersteller wie Volvo, Scania oder Iveco an. Aktuell wird das gehandelte Produkt großenteils noch aus fossilem Erdgas gewonnen – im Zuge des „Green Deal“ der EU aber wird das Angebot kontinuierlich auf LNG aus Biogas umgestellt. Produktion und Verflüssigung sowie ein Tankstellennetz sind zurzeit im Aufbau. Angedacht ist ein Netz von deutschlandweit mehr als 100 Tankstellen bis Ende 2021 – zeitgleich wird in Deutschland die Produktion von BIO-LNG aufgenommen. LNG gilt als wichtige Brückentechnologie bis zur Marktreife von Wasserstoff, darum auch wird die Anschaffung entsprechender Fahrzeuge staatlich gefördert – und sie sind bis Ende 2023 von der Maut befreit. Darüber hinaus gilt eine Mautbefreiung bis zum 31. Dezember 2023.
Infos zu LNG

Die rückläufige Nachfrage der vergangenen Jahre nach Autogas ist vorerst gestoppt. Im Zuge der Dieselkrise entscheiden sich wieder mehr Kunden für LPG-Autogas als umweltfreundliche und kostengünstige Alternative. Auch auf Gesetzesseite herrscht endlich Klarheit: Die Steuer auf Autogas wird von 2019 bis 2023 stufenweise um insgesamt 14,1 Cent pro Liter inkl. MwSt. erhöht – nach 2023 dann erfolgt keine weitere Erhöhung. Dieser relativ moderate Anstieg gibt potenziellen Kunden Planungssicherung bei Neuinvestitionen und sichert die Wettbewerbsfähigkeit des Produkts.

Auch die Situation in den Großhandelsmärkten für Strom und Erdgas war von der Corona-Pandemie und ihren Begleiterscheinungen geprägt. Doch bereits seit Mitte Dezember 2019 zeichnete sich ein zunächst zaghafter Preisrückgang ab. Beim Erdgas gingen die Notierungen bereits vor den europäischen Lockdown-Maßnahmen spürbar um etwa 10 Prozent zurück. Die Gründe lagen in einer komfortablen Versorgung unter anderem durch US-Flüssiggasimporte, schwindenden Angebotsrisiken durch überdurchschnittlich hohe Speicherstände zum Ende der Wintersaison sowie einem rückläufigen Ölpreis. Die Tiefs konnten coronabedingt Ende März mit rund 30-prozentiger Verbilligung gegenüber Dezember 2019 verzeichnet werden. Dramatisch schlug der Preisverfall im Spotmarkt zu Buche, wo zeitweise unter 5€/MWh gezahlt wurden.

Leider können diese Entwicklungen nicht auf die Verbraucherpreise mit Festpreiskonditionen übertragen werden. Im Gegenteil hatten Versorger, wegen der zeitweise im Industrie- und Gewerbebereich gegen Null gehenden Verbräuche, die zuvor zur Preisabsicherung ihrer Kunden noch teuer gekauften Beschaffungsmengen in den gleichzeitig überversorgten Spotmarkt abzugeben. Inzwischen haben sich die Notierungen im Terminmarkt wieder auf einem günstigen Niveau gefangen und vollziehen den allgemeinen Aufschwung an den Finanzmärkten nach. Für 2022 werden 2€/MWh Prämie gezahlt, für 2023 2,80€/MWh. Ab 2021 wird dann auch für Erdgas eine CO2-Abgabe erhoben, die nach ersten Informationen bei etwa 5€/MWh liegen soll – entsprechend würde der Preisrückgang für die Verbraucher wieder aufgezehrt.

Am Strommarkt zeigt sich ein grundsätzlich vergleichbares Bild. Allerdings ist hier der CO2-Preis auf Erzeugerebene bereits Realität und die unterschiedlichen politischen Vorstöße und Rückschritte zum geplanten weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien bringen erhebliche Unsicherheit in den Markt. Die Notierungen reagieren mit ausgeprägter Volatilität und innerhalb des Segments der CO2-Zertifikate auch mit spekulationsgetriebenen Ausschlägen.

In den Sommermonaten bleibt der Einkauf von Holzpellets für den Endverbraucher am günstigsten, Förderprämien von Bund und Ländern werden angenommen.
Der DEPV (Deutscher Energieholz- und Pellet-Verband e.V.) meldet für den Monat Juli einen weiteren, leichten Rückgang der Preise um ca. 1,2 Prozent und damit 4,8 Prozent weniger als im Juli 2019. Somit kostet eine Sechs-Tonnen-Lieferung im bundesweiten Durchschnitt 225,34 €/to. – das entspricht 22,53 Cent pro Kilo oder 4,51 Cent pro Kilowattstunde.

In diesem Jahr wird der saisonale Preisvorteil außerdem durch die gute Rohstoffversorgung und die Mehrwertsteuersenkung von sieben auf fünf Prozent verstärkt. Im 10-jährigen Durchschnitt punkten Pellets zudem mit stabilen Preisen. Der langjährige Preisvorteil von knapp 30 Prozent zu Heizöl wird sich in Zukunft auch aufgrund der CO2-Abgabe für fossile Brennstoffe fortsetzen. Erfreulich sind auch die Entwicklungen in punkto Wärmewende. Durch das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung und die damit verbundenen erhöhten Förderbedingungen im Marktanreizprogramm (MAP) für erneuerbare Wärme steigen die Förderanträge stark an – so waren es im Mai knapp 22.000 Anträge auf Holzfeuerungen, das bedeutet einen Anstieg seit Jahresbeginn von rund 150 Prozent.

Für die Versorgung der Kunden in den Wintermonaten haben sich die Genossenschaften gut aufgestellt. So hat das Netzwerk im RPellets Verbund rund um die Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH sowohl im Lager- als auch im Logistikmanagement aufgestockt und die Kapazitäten erweitert. Aktuell zählen zum Unternehmen neun Fahrzeuge in eigener Disposition, diverse Auslieferungsfahrzeuge in genossenschaftlicher Kooperation sowie zehn dezentrale Lagerstätten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt.

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