Biogas Praxisversuch

Enzymmischung der TerraVis GmbH überzeugt

Kleine Helfer mit großer Wirkung für die Biogasanlage: Die TerraVis GmbH hat mit der „Enzymbox“ ein mobiles Labor entwickelt, mit dem sie im Praxisversuch die Wirkung von Enzymen auf den Gasertrag und die Gasqualität demonstriert. Ein Praxisbericht.

Biogasanlage Terravis Praxistest
v. li.: Ellick Krabe (Außendienstmitarbeiter der Raiffeisen-Warengenossenschaft Stendal eG), Eike-Henning Lammers (TerraVis GmbH), Landwirt Karl-Otto Deutsch

Die drei großen Dächer der Biogasanlage am Bahndamm in Rochau sind schon von Weitem zu sehen. Stolz erklärt Landwirt Karl-Otto Deutsch, gemeinsam mit seiner Frau Gudrun Gesellschafter der Deutsch-Kersten GbR, die Leistungsfähigkeit seiner Anlage, mit der er neben Werkstatt und Stall noch 44 Wohnungen im Dorf mit Nahwärme versorgt. „Die Gemeinde will noch erweitern und alle 750 Einwohner anschließen“, sagt Deutsch. Dafür, dass die Biogasanlage zuverlässig liefert, muss sie qualitativ hochwertig gefüttert werden. Genau das war 2018 und auch 2019 großes Thema.

Futter-Katastrophe in den Vorjahren

„2018 war eine Futter-Katastrophe“, erinnert sich Karl-Otto Deutsch. Aufgrund der Dürre konnte er nur wenig Grassilage einsetzen, auch die Menge und Qualität des geernteten Silomais war schlecht. Über den Winter kam er noch mit Reserven. Der erste Schnitt 2019 an Grassilage war gut „und dann kam wieder die Dürre. Im Juni ist uns hier alles kaputt gebrannt und auch der Mais war wieder unterdurchschnittlich“, fasst Deutsch zusammen. „Wir hatten viel zu wenig für die Rinder und die Biogasanlage.“ „Zu wenig“ bedeutet für den Landwirt: Er musste in Futter investieren. Von den 10.000 Rundballen Stroh, die am Hof lagern, sind 6.000 zugekauft. „Und zum ersten Mal habe ich 240 Rundballen Heu zugekauft, weil kein Gras für den zweiten und dritten Schnitt gewachsen ist.“ Auch Mais musste er zukaufen. Die Fehlmenge an Maissilage in der Biogasanlage wird durch Stroh ersetzt und bei den Rindern wird Stroh anstatt Grassilage zugefüttert.

Hilfe von Genossenschaft und Terravis

Eike-Henning Lammers von der TerraVis GmbH, dem Biogas-Spezialisten der AGRAVIS Raiffeisen AG, und Ellick Krabe, Außendienstmitarbeiter der Raiffeisen-Warengenossenschaft Stendal eG, konnten dem Landwirt zwar nicht mit Gras oder Mais weiterhelfen, wohl aber mit einem innovativen Instrument, das die Prozessbiologie unterstützt: mit speziellen Enzymen für den Biogasprozess. Nicht nur Karl-Otto Deutsch, sondern viele Betreiber von Biogasanlagen hatten bereits 2018 mit Futterknappheit zu kämpfen. Sie mussten mehr Menge einsetzen, da weniger Energie in der Silage war. Die stark steigenden Trockensubstanzgehalte im Fermenter führten zu Problemen bei der Durchmischung. Substrat-Alternativen wie Mist, Stroh oder Getreide-Ganzpflanzensilagen sind schwerer vergärbar und im Abbau langsamer als Silomais.

Positive Effekte durch Enzyme

Die Enzyme werden eingesetzt, damit die Faserstoffe besser aufgespalten und somit schneller vergärt werden. Positiver Nebeneffekt: Die Biomasse bleibt rühr- und pumpfähig, dadurch sinkt der Stromverbrauch. Karl-Otto Deutsch ließ sich vom praktischen Nutzen direkt vor Ort überzeugen. Denn die TerraVis GmbH hat mit der „Enzymbox“ ein mobiles Labor entwickelt, mit dem sie im Praxisversuch die Wirkung der Enzyme auf den Gasertrag und die Gasqualität demonstrieren kann. „Wir bauen den Versuch beim Kunden auf und er kann sich selbst davon überzeugen, was für ihn dabei herauskommt“, erklärt Eike-Henning Lammers. Die Kosten, die durch den Einsatz der Enzyme entstehen, haben sich für Karl-Otto Deutsch gelohnt. Am Ende kam er trotz der großen Probleme auf fast den gleichen Gasoutput und Stromertrag wie in „normalen“ Jahren.

Stetig steigendes Interesse

Da er vermehrt auf faserreiche Substanzen gesetzt hatte, bestand die Gefahr, dass die Mischung dickflüssig wird – auch das wurde durch den Einsatz der Enzyme gelöst. Ellick Krabe von der Raiffeisen-Warengenossenschaft Stendal eG hat festgestellt, dass der Einsatz von Enzymen bei den Betreibern von Biogasanlagen auf immer größeres Interesse stößt: „Die Nachfrage steigt. Wir arbeiten bereits seit Jahren erfolgreich mit der TerraVis GmbH zusammen und bieten unseren Kunden auch im Spezialsegment Biogas eine optimale Betreuung an. Im Laufe der Zeit hat sich der Kreis an Biogaskunden stetig erweitert, sodass wir Prozesshilfsstoffe für Biogasanlagen auch auf Lager nehmen, um schneller agieren zu können.“

Praxistest gelungen

Die erste Biogasanlage mit 365 Kilowatt hatte das Ehepaar Deutsch 2010 als Reaktion auf die Milchkrise gebaut. „Meine Frau hat gesagt: Sonst wird das hier nichts mehr“, erinnert sich Karl-Otto Deutsch. Der Futterkrise begegnen Karl-Otto und Gudrun Deutsch mit viel Einfallsreichtum und der tatkräftigen Unterstützung der kleinen Helfer: „Ohne die Enzyme wäre es 2019 schwer geworden.“

Info zum Betrieb Deutsch-Kersten GbR:

  • Gesellschaft bürgerlichen Rechts in Rochau/Sachsen-Anhalt
  • Zwei Gesellschafter, zwölf Mitarbeiter
  • Betriebsfläche 817 Hektar, davon 677 Hektar Ackerland und 140 Hektar Grünland, durchschnittlich 48 Bodenpunkte
  • 240 Milchkühe, 120 tragende Färsen, 200 Bullen zur Mast oder Zucht, 230 weibliche Kälber
  • Biogasanlage 365 kW (5 Tonnen Maissilage, 25 Tonnen Stalldung, 20 Kubikmeter Gülle), Erweiterung 2x530 kW
  • Trocknung (2x75 Tonnen Getreide)

Standortdaten ändern

Bestimmen Sie hier Ihren Standort. Tragen Sie hierfür lediglich Ihre PLZ sowie die Straße ein.