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Legehennen leistungsgerecht füttern

AGRAVIS aktuell digital 2104

„Ein Huhn legt jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei“ ist die wohl bekannteste Formulierung eines Produktionsziels in der Landwirtschaft. Doch was benötigt die Legehenne, damit wir morgens im Nest ein Ei mit fester Schale finden? Wolfgang Herzog, Produktmanager GoldDott, klärt auf.


Kurz und knapp

  • Legehennen beginnen im Alter von 20 bis 24 Wochen Eier zu legen (bei einer ausreichend langen Taglichtphase).
  • Das Hühnerei besteht im Wesentlichen aus Protein (ca. 13 Prozent), Fett (ca. 11 Prozent) und Wasser (ca. 74 Prozent).
  • Für die Ausbildung einer stabilen Eischale benötigt die Henne rund 4 Gramm Calcium über die Futteraufnahme.

Welche Legeleistung kann ich erwarten und in welchem Alter beginnt die Eiproduktion?

Herzog: Die heute auf Eiproduktion gezüchteten Rassen legen bei guten Bedingungen nahezu täglich ein Ei. In der Freilandhaltung gilt eine Legeleistung um die 90 Prozent als gutes Ergebnis. Legehennen beginnen im Alter von 20 bis 24 Wochen Eier zu legen, sofern die Tageslänge dafür ausreicht (über 14 Stunden). Zunächst legen sie zwar kleinere Eier, aber dafür in hoher Stückzahl. Mit steigendem Alter steigt auch das Eigewicht. Die Legeleistung hingegen ist leicht rückläufig.

Was ist im Ei?

Die Legehenne stellt kontinuierlich, über mehrere Monate, sämtliche für das Ei notwendigen Nährstoffe bereit – eine metabolische Meisterleistung. Das Hühnerei besteht im Wesentlichen aus Protein (ca. 13 Prozent), Fett (ca. 11 Prozent) und Wasser (ca. 74 Prozent). Zusätzlich wird es als einziges tierisches Lebensmittel von Natur aus mit einer schützenden Verpackung (Schale) geliefert. Die notwendigen Nährstoffe nimmt das Huhn über das ihm zur Verfügung stehende Futter auf. Wie viele Nährstoffe dafür notwendig sind, haben schon mehrere Institute bewertet. Unter anderem hat dies die Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE) im Jahr 1999 umfangreich und sehr präzise analysiert.

Wie genau kann man den Bedarf für die Eiproduktion der Henne schätzen?

Herzog: Für jede Aktivität benötigt ein Organismus Energie, die aus Kohlenhydraten und Fetten gewonnen wird. Eine ausgewachsene gesunde Legehenne benötigt Energie für ihre Erhaltung und natürlich für die Eiproduktion. Die Wissenschaftler haben den Erhaltungsbedarf für Legehennen in ihrem Komforttemperaturbereich zwischen 15 und 28 Grad ermittelt. Bei niedrigeren und höheren Umgebungstemperaturen wird zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur mehr Energie benötigt. Zudem muss bei Legehennen in Freilandhaltung der Verbrauch durch Bewegung mit einer um etwa 15 Prozent höheren Energiezufuhr kompensiert werden. Der Bedarf für die Eiproduktion ist von der erzeugten Eimasse abhängig.

Der Bedarf an Rohprotein ergibt sich ebenfalls aus der Legeleistung und der Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen. Insbesondere eine über das Futter ausreichende Versorgung mit lebensnotwendigen bzw. essenziellen Aminosäuren, die das Tier nicht selbstständig produzieren kann, ist Grundvoraussetzung für eine hohe Vitalität und die Eibildung. Auch die Auswahl der proteinliefernden Futterkomponenten (z.B. Soja, Raps, Sonnenblume, Erbse, Lupine) ist entscheidend, um die Aminosäuren im richtigen Verhältnis zueinander auf den Bedarf abzustimmen. Eine Überversorgung resultiert genauso wie eine Unterversorgung in einer verminderten Leistung.

Bei so einer Berechnung ist also einiges zu beachten. Ist es relevant, wann die Henne die Nährstoffe aufnimmt?

Herzog: Die Eimasse aus Eigelb und Eiweiß wird im Wesentlichen über die Tagesphase gebildet. Dadurch hat die Legehenne die Möglichkeit, die aus dem Futter aufgenommenen Nährstoffe auf direktem Weg in das Ei geben zu können. Bei einer für die gesamte Herde ausreichenden Menge an vorgelegtem Futter und einer guten Erreichbarkeit durch genügend Fressplätze ist die einzelne Legehenne in der Lage, selbstständig den Zeitpunkt und den Umfang der Futteraufnahme zu bestimmen.

Schon gewusst?

Um täglich ein 60 Gramm schweres Ei zu legen, benötigt eine zwei Kilogramm schwere Legehenne etwa (Werte inkl. Erhaltungsbedarf nach GfE, 1999):

  • 1680 kJ Energie
  • 20,2 Gramm Protein und
  • 4 Gramm Calcium.

So viel zum essbaren Teil des Eis – wie geht das mit der Schale?

Herzog: Die Bildung der Eischale stellt Legehenne und Fütterung vor eine besondere Herausforderung. Eine stabile Eischale benötigt rund zwei Gramm Calcium. Da auf dem Weg durch den Darm bis in die Eischale etwa die Hälfte verbraucht wird, liegt der Bedarf an Calcium über das Futter bei ungefähr der doppelten Menge. Im Gegensatz zu der Eimasse wird die Eischale in den Nachtstunden gebildet. Daher besteht in diesen Stunden auch der höchste Bedarf an frei verfügbarem Calcium. Der Speicher im Blut reicht leider nur für wenige Minuten. Von Natur aus kann die Legehenne aus ihren als Depot genutzten Beinknochen Calcium mobilisieren und diese am nächsten Tag wieder auffüllen. Das ist allerdings mit einem hohen Aufwand an Energie und weiteren Nährstoffen verbunden. Es empfiehlt sich daher, den Legehennen nachmittags ein erhöhtes Angebot an calciumhaltigen Futtermitteln bereitzustellen. Dieses kann über eine separate Futterstelle mit Muschelschalen oder Kalkstein erfolgen. Die Henne kann so selbstständig gezielt mehr Calcium aufnehmen. Da Geflügel von Natur aus über eine kurze Darmpassagezeit verfügt, stehen der Legehenne nur wenige Stunden später erhöhte Mengen Calcium zur Verfügung, die direkt in die Eischalenbildung einfließen können. Somit müssen diese nicht den umständlichen Umweg über das Depot gehen.

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Über das Futter nimmt die Legehenne alle notwendigen Nährstoffe und die nötige Energie für die Eiproduktion auf.

Was sollten Legehennenhalter:innen bei der Fütterung beachten?

Herzog: Eine erfolgreiche Fütterung von legendem Geflügel zeichnet sich dadurch aus, dass der Henne zum Zeitpunkt des Bedarfs die richtigen Nährstoffe in hoher Qualität und ausreichendem Umfang zur Verfügung steht. Das kann durch ein sogenanntes Alleinfuttermittel gewährleistet werden, das den Tagesbedarf komplett abdeckt. Diese Mischungen hat der Hersteller mit allen Nährstoffen im notwendigen Umfang und im richtigen Verhältnis zueinander abgestimmt. Darüber hinaus gibt es Fütterungskonzepte, die für den Einsatz von Ergänzungsfuttermitteln konzipiert sind und somit eine Fütterung mehrerer Komponenten ermöglichen. Durch ein Angebot mehrerer Mischungen können Tierhalter:innen auf die oben beschriebenen täglichen Schwankungen im Nährstoffbedarf eingehen. Das hört sich kompliziert an – aber Ihr Futtermittelberater bzw. -händler und das natürliche Fressverhalten Ihrer Hennen helfen Ihnen dabei.

Weitere Infos gibt es bei ...

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Wolfgang Herzog, Produktmanager GoldDott
Telefon 0800 3372999
E-Mail wolfgang.herzog@golddott.de
www.golddott.de