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Hitzestress im Putenstall

AGRAVIS aktuell digital 2104

Wenn es heiß wird, reagieren viele Tiere schnell mit Hitzestress. Das gilt auch für Puten. Daher ist es für die Halter:innen wichtig, sich im Vorfeld mit ausgleichenden Maßnahmen zu beschäftigen, um im Sommer gewappnet zu sein.


Kurz und knapp

  • Bei erhöhten Temperaturen reagieren Puten unter anderem mit einer hörbaren Schnabelatmung, einer reduzierten Futteraufnahme und dem Abspreizen der Flügel und Federn, um die Fläche der Wärmeabgabe zu vergrößern.
  • Ein Fütterungskonzept mit einem angepassten Energie-Protein-Verhältnis sowie leicht verdaulichen Komponenten fördert und unterstützt die Leistung von Puten während der Sommermonate.
  • Für Informationen über die Wetterlage mit einer Prognose von fünf Tagen steht Tierhalter:innen die kostenlose ThermoTool-App zur Verfügung. Darin finden Landwirt:innen auch wichtige Tipps gegen Hitzestress sowie eine Warnfunktion bei anstehenden Heißwetterlagen.

Steigende Außentemperaturen, hohe Luftfeuchtigkeit, suboptimales Klimamanagement – die Liste der auslösenden Faktoren für Hitzestress im Putenstall ist lang. Wann Hitzestress im Tier entsteht, welche Symptome als Warnsignale gelten und wie Mäster:innen sich auf anstehende Wärmeperioden vorbereiten können, erklärt AGRAVIS-Geflügelspezialistin Monique Büter.

Was versteht man unter Hitzestress?

Büter: Hohe Außentemperaturen und Hitzestress sind immer subjektive Empfindungen und abhängig von der Überschreitung der maximalen Wohlfühltemperatur bzw. thermoneutralen Zone (TNZ), der Luftfeuchtigkeit und der Luftgeschwindigkeit.
Im Körper ist Hitzestress gleichzusetzen mit oxidativem Stress. Oxidativer Stress ist eine Stoffwechsellage im Körper, bei der eine hohe Menge an reaktiven Sauerstoffverbindungen (freie Radikale) gebildet werden. Diese Verbindungen können Zellstrukturen schädigen und Entzündungsprozesse beschleunigen, wodurch das Immunsystem der Tiere geschwächt wird.

Definition Thermoneutrale Zone (TNZ)

- einfach gesagt: ein Temperaturbereich bzw. die Umgebungstemperatur, die vom Menschen bzw. Tier weder als zu warm noch als zu kalt empfunden wird

- physiologisch: bei warmblütigen Tieren wie bei der Pute

  • Blutgefäße in der Haut sind weder verengt noch erweitert
  • minimale Feuchtigkeitsabgabe über die Luftorgane und die Haut
  • Federkleid ist nicht verändert (keine aufgestellten Federn)
  • die Puten zeigen keine Verhaltensänderungen (Anpassungsmechanismen an erhöhte Umgebungstemperaturen)

- die TNZ ist abhängig vom Geschlecht, Alter und Gewicht der Puten und beschreibt damit einen Temperaturbereich

- dieser liegt bei der Pute ab einem Alter von ca. 9 Lebenswochen zwischen zwölf und 25 Grad

- Tipp: Wichtige Kennzahlen mit Hilfe von Temperatursensoren im und außerhalb des Stalls, einem Feuchtigkeitssensor und einer Tierwaage notieren und mitverfolgen, bei Bedarf Lüftung anpassen

Was sind die äußerlichen Symptome einer hitzegestressten Pute?

Büter: Offensichtlich ist eine erhöhte Atemfrequenz, die sich zu einer nicht hörbaren Schnabelatmung entwickelt. Diese Form des Schwitzens kostet die Pute viel Energie. Durch das Hecheln (nicht hörbare Schnabelatmung) wird zwar Wärme abgegeben, gleichzeitig gehen aber auch Feuchtigkeit und Elektrolyte verloren. Diese muss das Tier durch eine erhöhte Wasseraufnahme kompensieren.
Des Weiteren ist das Abspreizen der Flügel und Federn zu beobachten, wodurch sich die Fläche der Wärmeabgabe vergrößert. Außerdem bevorzugen die Puten vorrangig kühle Orte im Stall und halten sich beispielsweise an kühlen Stallwänden oder im Schatten auf. Auch eine Reduktion der Futteraufnahme mit daraus resultierenden geringeren Tageszunahmen sowie eine verminderte Aktivität durch vermehrtes Ablegen, das zu einem Herz-Kreislauf-Versagen führen kann, zählen zu den häufigen Anzeichen von Hitzestress.

Welche physiologischen Vorgänge laufen dabei im Körper einer Pute ab?

Büter: Puten reagieren mit mangelndem Appetit auf Hitze. Der Hintergrund: Die Futteraufnahme führt zu einer zusätzlichen Wärmeproduktion, da Stoffwechselvorgänge wie der Um- und Abbau von Proteinen viel Energie kostet und dadurch Prozesswärme freigesetzt wird. Ziel der Pute ist es daher, die energiereichen Prozesse im Körper auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Durch die verstärkte Schnabelatmung und die Wärmeabgabe über die Haut sind außerdem sowohl die Atemwegsorgane als auch die Blutgefäße unter der Haut stark durchblutet. Dadurch ist der Blutfluss in anderen Körperregionen reduziert, unter anderem im Verdauungstrakt der Pute. Beispielsweise ist die Durchblutung des Drüsenmagens im Vergleich zu den beiden Dünndarmabschnitten vermindert.

So funktioniert ThermoTool

  • kostenloses Service-Tool für das Smartphone oder Tablet
  • nach der Eingabe des Wohnortes und der Tierart errechnet die App einen Hitzestress-Index aus der jeweiligen Temperatur und Luftfeuchtigkeit
  • Hitzestress-Index wird in einer Skala farblich dargestellt und das Gefahrenpotenzial für den aktuellen Tag und eine Vorhersage für die kommenden fünf Tage lassen sich daran ablesen
  • hinter dem „Was ist zu tun“- Button sind für jede Gefahreneinschätzung diverse Managementempfehlungen hinterlegt
  • eine Alarmfunktion kann bei aufkommender Hitze aktiviert werden

Welche Folgen hat Hitzestress für das Tier?

Büter: Ein reduzierter Blutfluss im Drüsenmagen hat eine verminderte Produktion körpereigener Enzyme und damit einen schlechteren Aufschluss von Nährstoffen im Futterbrei zur Folge. So kann vermehrt unzureichend verdauter Futterbrei in die hinteren Darmabschnitte gelangen. Das bietet bestimmten Bakterien, die einen negativen Einfluss auf das Mikrobiom im Dickdarm haben, einen guten Nährboden. Hitzegestresste Puten können sich allerdings nicht gegen diese Bakterien wehren, da das Immunsystem mit den Folgen des Hitzestresses beziehungsweise mit der Beseitigung von Oxidationsprodukten zum Schutz der Zellen beschäftigt ist.
Zudem führt das Hecheln zu einer vermehrten Aufnahme von Sauerstoff und einer Reduktion der Kohlenstoffdioxidkonzentration im Blut. Die Folge ist ein erhöhter pH-Wert des Blutes, was wiederum den Verlust von Elektrolyten und Wasser bewirkt.

Was können Putenmäster:innen tun, um den negativen Auswirkungen von Hitzestress vorzubeugen?

Büter: Das ThermoTool gibt einen Hinweis auf das Hitzestresspotenzial in der Region. Die App bietet eine Warnfunktion bei anstehenden Heißwetterlagen. Somit können sich Tierhalter:innen mit einer für den Stall und dem Alter der Tiere angepassten Klimaführung vorbereiten. Landwirt:innen können sich die App in allen App-Stores kostenlos herunter laden. Mehr Infos dazu gibt es unter www.miravit.de.

AGRAVIS aktuell digital 2104

Zum Zeitpunkt des Hitzestresses bieten Miravit AscoStabil und Miravit Hydrolac G/K außerdem eine optimale Unterstützung des Geflügel-Organismus. Miravit AscoStabil enthält antioxidative Substanzen wie stabilisiertes Vitamin C und Polyphenole, die freie Radikale (ROS) binden und unschädlich machen. Miravit Hydrolac G/K gleicht den Verlust an Elektrolyten aus, der durch die Schnabelatmung entstanden ist. Zudem unterstützt das AGRAVIS-Fütterungskonzept mit den HochEnergie-Sorten (MVK Puten HE) die Puten in den heißen Sommermonaten. Vor allem das Energie-Protein-Verhältnis muss an die besonderen Umstände im Sommer angepasst werden, wobei die Nutzung von leicht verdaulichen Futterkomponenten die Leistung fördert und unterstützt. Eins ist klar: Allein kommen die Puten nicht durch den Sommer, sie benötigen unsere Unterstützung, um am Ende auch die Leistungen zu zeigen, die wir uns wünschen.

Weitere Informationen gibt es bei …

Monique Büter, Produktmanagerin Geflügel
Telefon 0251 682-2285
E-Mail monique.bueter@agravis.de
www.miravit.de