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Fleißige Bienen für mehr Biodiversität

AGRAVIS aktuell digital 2109

Dominik Cicorella ist Hobby-Imker. Auf dem AGRAVIS-Versuchsgut St. Mauritz in Münster hält er aktuell 20 Bienenvölker und pflegt sie nach der „modularen Betriebsweise“, einem natürlichen und bienenfreundlichen Konzept. Im Gespräch berichtet er über die Faszination seines Handwerks sowie das steigende gesellschaftliche Interesse an Naturschutz und Artenvielfalt. Außerdem gibt er Tipps für eine bienenfreundliche Gartengestaltung.


Kurz und knapp

  • Hobby-Imker Dominik Cicorella hält auf dem AGRAVIS Versuchsgut auf St. Mauritz 20 Bienenvölker und verkauft den Honig nebenan im Hofladen.
  • Honigbienen zu halten ist für ihn nur eine Möglichkeit, um die heimische Biodiversität aktiv zu unterstützen. Den Trend zum Imkern beobachtet er schon länger.
  • Blühende Gärten mit Beerenbüschen, Obstbäumen, Stauden und Blumenzwiebeln bieten sich besonders gut für eine bienenfreundliche Gartengestaltung an.

Mit seiner Arbeit leistet Cicorella einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Versuchsguts zu einem Kompetenzzentrum für Biodiversität und Artenvielfalt.

Wie kam die Kooperation mit dem Versuchsgut St. Mauritz zustande?

Cicorella: Als ich mit dem Imkern angefangen habe, war ich auf der Suche nach einem geeigneten Standort, weil mein Garten für so viele Bienenvölker zu klein wurde. Also habe ich viele Landwirt:innen in der Region gefragt, ob ich meine Bienen bei ihnen aufstellen könne. Das war allerdings schwieriger als gedacht. Schließlich bin ich hier sehr herzlich von Ludger Helmer vom Versuchsgut St. Mauritz empfangen worden und konnte meine Bienenstöcke aufstellen. Die Leute hier sind sehr unkompliziert und ich freue mich jedes Mal herzukommen.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag mit den Bienen aus?

Cicorella: Als Imker arbeite ich mit der Natur, den Blühphasen und dem Wetter. Das ist auch das Spannende, weil es keinen festen Terminplan gibt und ich flexibel sein muss. Durch das Imkern verbinde ich mich mit der Natur. Bienen sammeln Nektar und stellen daraus Honig her, sie produzieren nützliches Kittharz (Propolis) und sondern Wachs ab, um ihre Waben zu bauen. Wenn man das hautnah erlebt, dann packt es einen. Imkern ist für mich das Tor zur Umwelt.

Sie ernten den Honig jedes Jahr im Mai und im Juli. Wie waren die diesjährigen Erträge?

Cicorella: Das variiert von Jahr zu Jahr. Bienen können erst ab 12 Grad ihren Bienenstock verlassen, ansonsten verfallen sie in eine Kältestarre. Ab 15 Grad können sie Nektar sammeln, aber dieses Frühjahr war es zu kalt, um einen Überschuss anzuhäufen. Die Sommerernte ist hingegen besser ausgefallen: Im Schnitt konnte ich 30 Kilogramm Honig pro Bienenvolk ernten. Die Menge hängt dabei stark vom regionalen Blütenangebot ab. Der Honig wird hier direkt neben dem Versuchsgut im neu eröffneten Hofladen „Werse-Wiesen-Ei“ vermarktet.

AGRAVIS aktuell digital 2109
Auf dem AGRAVIS-Versuchsgut St. Mauritz in Münster hält Hobby-Imker Dominik Cicorella aktuell 20 Bienenvölker.

Ihr Imkerkurs in Münster in der Corona-Edition ist in diesem Jahr ausgebucht. Nehmen Sie ein wachsendes Bewusstsein in der Gesellschaft für Naturschutz und die Erhaltung der Biodiversität wahr?

Cicorella: Mir fällt auf, dass die Menschen inzwischen genauer hinschauen. Das Bewusstsein für Naturschutz ist schon seit längerer Zeit da, aber die Frage ist, wie man die heimische Biodiversität konkret unterstützen kann. Da geht der Trend zum Imkern, was mich sehr freut. Die Bienen sind dabei nicht nur Bestäuber, sondern sie dienen auch als Türöffner für die Gesellschaft, indem sie den Blick für weitere nützliche und bestäubende Insekten wie Wildbienen, Schmetterlinge oder Käfer weiten. Die Biene nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise durch die Natur.

Welche sind die größten Herausforderungen beim Imkern?

Cicorella: Die Biene selbst ist ein robustes Lebewesen. Als in den 70er Jahren aber die Varroamilbe eingeschleppt wurde, war das zuerst ein riesiges Problem. Dieser Schädling ist deshalb so gefährlich, weil eine gewisse Milbenschwelle im Volk schnell überschritten wird und die Bienen anschließend verenden. Heutzutage kommen die Imker:innen zunehmend besser mit dem Parasiten klar und können die Milbenbelastung niedrig halten. Eine weitere Herausforderung ist es, sich das Gesamtwissen anzueignen, um erfolgreich Bienen zu halten. Kenntnisse über die Wachs- und Honigverarbeitung sowie das ganzjährige Völkermanagement sind unerlässlich. Wenn ich Imkerkurse gebe, wird mir immer wieder klar, was alles dahintersteckt.

Frischer Honig aus dem Hofladen

Weitere Informationen zu Dominik Cicorella und seinen Honigbienen finden Sie hier. Den Honig können Sie im Hofladen der Familie Quantes kaufen, der sich direkt neben dem Versuchsgut St. Mauritz befindet und täglich von 8 bis 20 Uhr öffnet. Hier gelangen Sie zur Website.

In anderen Teilen der Welt schreitet das Bienensterben schnell voran. Droht uns das hierzulande ebenfalls?

Cicorella: Weltweit steigt die Anzahl der Bienenvölker seit 2004 nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO stark an. Laut der Daten der FAO ist China mit 540.000 Tonnen der größte Honigproduzent weltweit. In Deutschland müssen wir uns keine Sorgen um die Honigbiene machen. Hier geht es ihr gut, weil es mittlerweile sehr viele verantwortungsbewusste Imker:innen gibt, die sich kümmern. Auch wenn die Honigbiene eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen spielt, brauchen die Wildbienen und andere bestäubende Insekten aktuell mehr Aufmerksamkeit als die Honigbienen.

Welche Tipps haben Sie für Gärtner:innen, um ihre Flächen bienenfreundlich zu gestalten?

Cicorella: Für die Bienen sind blühende Gärten am wertvollsten. Auch naturbelassene Bereiche in der Natur bieten einer Vielzahl von Insekten einen Lebensraum. Besonders bienenfreundlich sind Beerenbüsche und Obstbäume sowie Stauden und Blumenzwiebeln. Hier dienen beispielsweise Zierlauch und Krokusse als pflegeleichte Nahrungsquellen. Kiesbeete sind daher keine gute Wahl, wenn es um die bienenfreundliche Gartengestaltung geht. Bei größeren Rasenflächen lohnt es sich, diese wieder zu Blühflächen zu kultivieren. Dazu gibt es bereits einige Projekte, bei denen der Rasen pro Jahr jeweils einmal im Juni und im August gemäht und abtransportiert wird. Dadurch entsteht wieder magerer Boden, auf dem heimische Blühpflanzen besonders gut gedeihen.