Grünland-Management optimieren und Kosten einsparen

Die finanzielle Lage in der Milchviehwirtschaft ist nach wie vor prekär und angesichts der überquellenden Weizensilos, gesättigten Fleisch- und Milchmärkte ist weiter keine Entspannung in Sicht. Vor diesem Hintergrund ist es umso entscheidender, Kosten einzusparen – allerdings nur an den richtigen Stellen.

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„Mit Fokus auf die Milchviehbetriebe sollte der effizienten Grünlandbewirtschaftung Grünlandbewirtschaftung ein hoher Stellenwert zugesprochen werden, um nachhaltig die Grundfutterkosten zu senken“, ist der Standpunkt von Imke Hansing, Pflanzenbau Pflanzenbau -Beraterin der AGRAVIS Raiffeisen AG. Nur durch eine kontinuierlich gepflegte Grünlandnarbe können die Ertragsstrukturen vom Grünland gesteigert werden. Die Grundfutterkosten liegen im Durchschnitt bei 10 bis 15 Cent pro Kilogramm ECM (Energy Corrected Milk). Dabei sollte ein Zielwert von 4.500 Kilogramm Milch (10.000 Kilogramm Jahresleistung) aus dem Grundfutter angestrebt werden. Zur Zielerreichung müssen rund 45 Prozent aus dem Grundfutter ermolken werden. „Vor dem Hintergrund, dass eine laktierende Kuh rund 20 Kilogramm Grassilage am Tag frisst, liegen die Futterkosten für Grassilage bei rund 1,10 Euro pro Kuh und Tag. Anlass genug, an dieser Stellschraube zu drehen, um Kosten einzusparen“, sagt Imke Hansing.

Intensive Bewirtschaftung und regelmäßige Pflege

Wie aber ist eine Effizienzsteigerung in der Grünlandbewirtschaftung möglich? „Durch die intensive Bewirtschaftung zum einen und durch die regelmäßige Pflege zum anderen“, rät die Expertin. Zur regelmäßigen Pflege gehört neben dem Walzen, Striegeln und Schleppen, der Nachmahd und dem Pflanzenschutz insbesondere die Nachsaat: „Um einen leistungsstarken Bestand mit einem Anteil von mehr als 80 Prozent hochwertigen Gräsern zu erhalten, müssen die Grünlandflächen jährlich nachgesät werden.“ Die Bestände müssen im regelmäßigen Abstand aufgebessert werden, um Lücken zu schließen, Ungräser und Unkräuter zu unterdrücken und so Ertrag und Qualität weiter zu sichern.

Besser vorbeugen als kurieren

„Entscheidend ist dabei die Kontinuität. Wer erst handelt, wenn Fehlstellen und Leistungseinbußen zu verzeichnen sind, handelt zu spät“, sagt Imke Hansing. Wie auch in anderen Branchen ist es in der Grünlandbewirtschaftung leichter vorzubeugen als zu kurieren. Wer in diesen Zeiten das Geld in der Grünlandbewirtschaftung einspart, der spart an Leistung in Form von Ertrag und Qualität. Wird die Grasnarbe jährlich mit 5 bis 10 Kilogramm Saatgut im Übersaatverfahren aufgebessert, kann der Energiegehalt der Grassilage bei anhaltender Bestandespflege langfristig um 0,3 bis 0,5 MJ NEL erhöht werden. Die Trockenmasseaufnahme einer Kuh steigt um mehr als 1 Kilogramm pro Tag bei der Steigerung des Energiegehaltes der Grassilage um mehr als 1 MJ NEL. Wird diese Faustzahl in eine Überschlagsrechnung eingesetzt, würde die regelmäßige Nachsaat zu einer Leistungssteigerung von bis zu 490 Litern pro Kuh und Laktation (305 Tage) führen. Demgegenüber stehen 45 bis 50 Euro – die Kosten für die regelmäßige Nachsaat.

Plantinum-Programm der AGRAVIS

Bei der Auswahl der Gräsermischung sollte neben der Zertifizierung auf die Standorteignung und die Nutzungsrichtung der Mischungen geachtet werden. Für intensiv genutztes Grünland gibt es für jeden Standort im Plantinum-Programm Plantinum-Programm der AGRAVIS Raiffeisen AG die geeignete Nachsaatmischung. Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es zudem unter www.beste-milch-von-anfang-an.de www.beste-milch-von-anfang-an.de .

„Neben der Nachsaat spielt die Düngung eine entscheidende Rolle in der Leistungssteigerung eines Grasbestandes“, so Imke Hansing. Die Nährstoffversorgung der Hochleistungsgräser erfolgt in der Regel über die Gabe von organischen Düngern wie Rinder- und/oder Biogasgülle sowie über die Ausbringung von mineralischen Düngemitteln. Die Basis der Nährstoffversorgung wird in der Regel von Wirtschaftsdüngern gelegt, welche im Frühjahr nach Ende der Sperrfrist zeitig bei gegebener Befahrbarkeit ausgebracht werden sollten.

Keine Düngung "im Blindflug"

„Vor der Ausbringung ist es ratsam, eine Gülleprobe analysieren zu lassen. Viele Betriebe weichen in ihrer Güllezusammensetzung von den Standard-Richtwerten ab. Somit erfolgt die Düngung im Blindflug und Ertragseinbußen werden riskiert“, lautet der AGRAVIS-Tipp. Mit Blick auf die Gülleanalyse gilt es zu beachten, dass Kalium und Phosphor annährend zu 100 Prozent nährstoffwirksam angerechnet werden können, während Stickstoff hingegen nur zu 50 Prozent in mineralisch pflanzenverfügbarer Form (Ammonium) vorliegt.

Die andere Hälfte vom Stickstoff ist organisch gebunden und kann erst nach Mineralisationsprozessen im Vegetationsverlauf von den Pflanzen aufgenommen werden. Ein weiterer Anteil geht zudem in den Aufbau organischer Substanz über und erhöht das Mineralisationspotenzial eines langjährig organisch gedüngten Standortes. Für eine nachhaltige, effiziente Stickstoffausnutzung sollte bei der Ausbringung neben der Witterung auf verlustarme, bodennahe Applikationstechnik gesetzt werden.

Fundament der Pflanzenernährung

Basierend auf der organischen Düngung wird der verbliebene Nährstoffbedarf über die Mineraldüngergabe gedeckt. Der Nährstoffbedarf leitet sich von den Ertragserwartungen und ausgewiesenen Nährstoffgehalten der Bodenuntersuchung ab, die im regelmäßigen Abstand gezogen werden sollten. Anzustreben ist eine erhaltende Düngestrategie auf der Grundlage der Versorgungsstufe C. Die Bodenuntersuchung weist ebenfalls den pH-Wert des Grünlandbodens aus. Das Fundament der Pflanzenernährung wird über die Kalkzufuhr entsprechend der Bodenart gesteuert. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass steigende Intensitäten sowie der Einsatz von versauernden N-Düngern wie SSA oder ASS zu einem jährlichen Kalkverlust von 300 bis 400 Kilogramm Calciumoxid pro Hektar führen. Entsprechend der Ertragserwartungen wird der zusätzliche Stickstoffbedarf in der Regel über die Gabe von KAS gedeckt.

Schwefelgehalt der Luft stark gesunken

„Den Pflanzen stehen zu Vegetationsbeginn weitere elementare Nährstoffe wie Schwefel und Kalium in der Praxis häufig nicht in ausreichender Menge zur Verfügung.“ Durch die Verschärfung der Emissionsrichtlinie ist der Schwefelgehalt der Luft in den vergangenen Jahren stark gesunken. Folglich ist der natürliche Eintrag von elementarem Schwefel in den Boden versiegt. Zusätzlich steht organisch gebundener Schwefel den Pflanzen zu Vegetationsbeginn bei kühlen Bodentemperaturen noch nicht zur Verfügung. Die kombinierte Gabe von schwefelhaltigen Stickstoffdüngern im Frühjahr hilft, diesen Versorgungsengpass zu schließen. „Schwefel ist essenziell für die Proteinsynthese und steigert zudem die Stickstoffeffizienz“, weiß Imke Hansing. Bei intensiver Bewirtschaftung sind auch die hohen Kali-Entzüge zu beachten. Insbesondere auf leichten Böden tritt schnell ein Mangel durch Verlagerungen in tiefere Bodenschichten auf. Für eine optimale Ertragsbildung, gute Qualitäten und eine effiziente Wasserausnutzung sollten gezielt zu den Nutzungsterminen Teilmengen Kalium verabreicht werden.

Durch Investitionen Kosten einsparen, klingt zunächst widersprüchlich. Doch ist es möglich, durch eine intensivere Bewirtschaftung und Pflege die Grünlandeffizienz zu steigern und somit die Grundfutterkosten zu senken. Zwei der großen Stellschrauben stellen dabei die regelmäßige Nachsaat mit geeignetem, zertifiziertem Saatgut und eine ausgewogene Nährstoffversorgung dar.

Weitere Informationen zu den Themen Grünlanddüngung und Grünlandpflege gibt es bei Imke Hansing, Pflanzenbau-Beratung der AGRAVIS Raiffeisen AG, Tel. 0170. 1851120, imke.hansing@agravis.de.