Landwirte: Rechtzeitig die Sortenwünsche äußern

Die Aussaatbedingungen im Herbst 2015 waren für alle Wintergetreidearten und auch für den Raps optimal, was zu einer annähernd gleichen Aussaatfläche für Wintergetreide zur Ernte 2016 führt. Was nun im neuen Jahr wichtig ist für die Landwirte, erklärt Marc Möller, stellvertretender Bereichsleiter Saatgut Saatgut der AGRAVIS Raiffeisen AG.

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Die Wintergetreide-Aussaat ist vorbei. Was steht als nächstes an?
Möller
: Als nächstes steht bei den Landwirten die Aussaat von Sommersaatgetreide an. In der Vergangenheit wurde die Vermehrungsfläche mehr und mehr dem Absatz eines durchschnittlichen Verbrauchsjahres angepasst, um somit die stark Preisrisiko behaftete Überproduktion zurückzufahren. Aus heutiger Sicht wird dem Markt über alle Arten ausreichend Saatgut für ein normales Geschäft zur Verfügung stehen.

Basierend auf den kleineren Vermehrungsflächen kommt es nun öfter sortenbedingt zum Beispiel bei der Gerstensorte „Planet“ zu ersten Verknappungen aus deutscher Produktion, so dass erste Importe gehandelt werden müssen. Wie in den vergangenen Jahren rechnen wir bei den Nischenprodukten Triticale und Sommerroggen mit einer Knappheit, da diese Produkte nicht überall in Deutschland aufgrund der Wettbewerbssituation zu anderen Marktfrüchten vermehrt werden.

Gerste und Hafer wird es aus heutiger Sicht ausreichend geben. Lediglich bei Schwarzhafer könnte es zu Engpässen kommen. Bei Weizen wird sich der Versorgungsgrad in den kommenden zwei bis drei Wochen entscheiden, da die Nachfrage aus dem europäischen Ausland noch nicht da ist.

Welche Auswirkungen wird die zweite Greening-Saison haben?
Möller
: Späte Entscheidungen bei den Förderprogrammen und eine späte Kaufentscheidung stellten die Produzenten im vergangenen Jahr vor die anspruchsvolle Aufgabe, den Bedarf zum Aussaatzeitpunkt sicher zu stellen. Aufgrund der Artenvielfalt konnten nicht immer alle Wünsche bedient werden. Die Ausgangssituation zur Saison 2016 ist eine ähnliche, da nicht bei allen Arten mit einer Reduktion oder einer Ausdehnung der Fläche reagiert werden konnte.

Der entstandene Bedarf hat zu einer Preissteigerung bei vielen Arten wie etwa Klee und Ölrettich geführt, die aufgrund der Anforderungen einen deutlichen Absatzzuwachs zu verzeichnen haben. Für die kommende Aussaat empfehlen wir, den Bedarf rechtzeitig mit dem ortsansässigen Handelspartner zu besprechen, um auch hier die gewünschten Produkte zum Bedarfszeitpunkt vorrätig zu haben.

Neben dem Bedarf an Zwischenfrüchten aufgrund von Greening ist auch die Nachfrage nach Grobleguminosen in 2015 gestiegen. Stand heute sind produzentenseitig bei Erbsen neuere Sorte wie zum Beispiel „Astronaute“ geräumt. Insgesamt wird der Markt unter Einbeziehung anderer Auslandsproduktionen versorgt sein, sollte nicht eine unerwartete Nachfrage entstehen.

Etwas anders ist die Lage bei Ackerbohnen. Trotz einer Flächenausdehnung ist die Ware besser als erwartet abgeflossen. Süßlupine steht in üblichen Mengen dem Markt zur Verfügung.

Worauf sollten die Landwirte aktuell achten?
Möller
: Grundsätzlich gilt in allen Fällen, dass der Endverbraucher früh den Sortenwunsch äußert, um zur Bedarfszeitpunkt die Ware in der gewünschten Menge zur Verfügung zu haben. Somit empfehlen wir, sich frühzeitig mit dem ortsansässigen Partner bezüglich des Bedarfs in Verbindung zu setzen.