Hälfte der deutschen Kartoffeln kommt aus Niedersachsen

Die Kartoffelernte 2015 ist gelaufen. Volker Peters, Geschäftsführer der Helle Niedersachsen Raiffeisen Kartoffel GmbH Helle Niedersachsen Raiffeisen Kartoffel GmbH , einem Beteiligungsunternehmen der AGRAVIS Raiffeisen AG, gibt dazu im Interview eine Einschätzung ab.

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Wie ist die Qualität der Kartoffeln in diesem Jahr, Herr Peters?
Peters
: In diesem Jahr haben wir eine gute bis durchschnittliche Kartoffelernte erreicht. Die Qualität hat nicht abgenommen und der gesamte Kartoffelmarkt konnte gut und zeitnah mit Ware versorgt werden. Trotz hoher Temperaturen in den Sommermonaten, die vor allem auf leichten Böden zu witterungsbedingten Vegetationsrückständen führten, wurden in Niedersachsen gleichbleibende Erträge erzielt. Das haben wir hauptsächlich durch die leistungsstarken Beregnungsanlagen erreicht, die fast 95 Prozent unserer Anbaugebiete beregnen. In Niedersachsen konnten wir dieses Jahr ca. 5 Mio. Tonnen Kartoffeln ernten – das ist ungefähr die Hälfte der Erntemenge in ganz Deutschland.

Obwohl die Qualität der Kartoffeln dieses Jahr also gleich geblieben ist, gab es einen Rückgang der Erträge und der Anbaufläche. Warum wurde die Produktion reduziert?
Peters
: Bei der Reduktion der Anbaufläche muss klar zwischen den verschiedenen Bundesländern differenziert werden. In Niedersachsen sind die Erträge durch die Beregnung annähernd gleich geblieben. In Nordrhein-Westfalen gab es hingegen einen klaren Rückgang. Im Jahr 2015 wurden dort 5.000 Hektar weniger angebaut und die Erträge sind deutlich hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Auch in Baden-Württemberg gab es eine deutliche Anbaueinschränkung und durch den Witterungsverlauf von einem kalten Frühjahr zu einem heißen Sommer wurden geringere Erträge erzielt. Eine ausgedehnte Anbaufläche hatte das zweitgrößte Kartoffelland Bayern. Aufgrund des Witterungsverlaufes erreichten die Erträge aber nur drei Viertel des Vorjahresniveaus. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Kartoffelanbau in Deutschland insgesamt um 4 Prozent zurückgegangen. Der Flächenrückgang liegt an den unbefriedigenden Erzeugerpreisen der Saison 2014/2015. In diesem Jahr wurden deswegen weniger Kartoffeln in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gepflanzt.

Haben die niedrigen Erzeugerpreise auch eine Auswirkung auf die Verbraucherpreise für Speisekartoffeln?
Peters
: Nein, die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise sind sehr gering. Wir sprechen dabei von kleinen Cent-Beträgen für den 2,5-Kilogramm-Sack Speisekartoffeln. Den kann der Verbraucher im Supermarkt aktuell für 75 bis 80 Cent je Kilo kaufen, was im Vergleich zum Vorjahr keinen nennenswerten Unterschied macht. Die Folgen der regional niedrigen Erträge sind also nur für die Kartoffelerzeuger spürbar. Durch die geringeren Erntemengen in den übrigen Bundesländern haben wir in Niedersachsen deutlich früher mit der Auslieferung der Kartoffeln begonnen.