Oktokopter wirft Schlupfwespen gegen Maiszünsler ab

Sind sie jetzt da, die Außerirdischen? Und wenn ja, warum tänzelt ihr Fluggerät ausgerechnet über einem Maisfeld und schießt mit weißen Kügelchen um sich? Es hat tatsächlich etwas von einem Science-Fiction-Szenario, ist aber hochmoderne Landwirtschaft. Ein sogenannter Oktokopter, ein kleiner Hubschrauber mit acht Propellern, schwebt nahezu lautlos über ein Maisfeld in Beckum-Roland. Die AGRAVIS Raiffeisen AG testet nach 2014 zum zweiten Mal, wie die Flugroboter bei der rein biologischen Bekämpfung des Maiszünslers helfen können.

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Der Oktokopter überfliegt die Maisfelder in einem bestimmten Raster, das zuvor erarbeitet wird und wirft alle zehn Meter eine Kugel ab.Oktokopter wirft Schlupfwespen gegen Maiszünsler ab
Der Oktokopter überfliegt die Maisfelder in einem bestimmten Raster, das zuvor erarbeitet wird und wirft alle zehn Meter eine Kugel ab.

Der Maiszünsler ist ein Schädling, der die Standfestigkeit des Maises beeinträchtigt. Durch das Anbohren kann er zudem den Befall der Pflanze mit Pilzkrankheiten fördern. In Streifenversuchen wurden Ertragsausfälle von bis zu 15 Prozent ermittelt.

Doch auch die neueste Technologie kommt nicht ohne Handarbeit und Sachverstand aus. Dr. Axel Weckschmied, Inhaber von Hexapilots in Dresden, und Reinhold Wintergalen von der Pflanzenbau-Beratung Pflanzenbau-Beratung der AGRAVIS sind seit einigen Tagen nur noch in Sachen Maizünsler unterwegs – von Brakel im Kreis Höxter über den Kreis Warendorf bis hin zum AGRAVIS-eigenen Versuchsgut in St. Mauritz bei Münster.

Das Vorgehen ist stets gleich: Gemeinsam stehen die Männer am Rande eines Maisfeldes und füllen unscheinbare kleine weiße Kugeln in einen Behälter, der unten am Oktokopter befestigt ist. Diese Kügelchen haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Etwa 2.200 Eier der Schlupfwespe (Trichogramma brassicae) schlummern jeder der Hüllen aus Parafin und Cellulose. „Die Schlupfwespe ist der natürliche Feind des Maiszünslers. Sie auf Flächen auszusetzen, die von dem Schädling befallen sind, ist eine Alternative zur chemischen Bekämpfung“, erklärt Reinhold Wintergalen. Durch zwei Löcher gelangen die winzigen Tiere nach und nach ins Freie. Bis zu drei Generationen Schlupfwespen machen sich so innerhalb von zwei bis drei Wochen im Mais auf die Suche nach den Eigelegen des Maiszünslers.

Pflanze für Pflanze laufen sie dafür ab. „Haben sie ein Gelege gefunden, parasitieren sie diese, so dass am Ende Schlupfwespen und keine neuen Schädlinge herauskommen“, erläutert der Fachmann. Die Bekämpfung mit Trichogramma hat sich seit Jahren bewährt – bislang allerdings wurden die Kugeln oder Karten mit den Eigelegen per Hand oder mit umgebauten Stelzenschleppern ausgebracht. Beide Methoden sind deutlich arbeitsintensiver als der Oktokopter-Einsatz. Dieser überfliegt die Maisfelder in einem bestimmten Raster, das zuvor erarbeitet wird und wirft alle zehn Meter eine Kugel ab. Rund fünf Hektar sind so in einer Stunde zu schaffen.

2014 wagte sich die AGRAVIS erstmals auf die neuen Wege – mit Erfolg. Daher gibt es in diesem Jahr die Wiederauflage. „Der Erfolg sprach für sich“, begründet Wintergalen die „Wiederholungstat“. Die Vorteile der Methode liegen für ihn und seine Mitstreiter ganz klar auf der Hand: Der Arbeitsaufwand wird reduziert, der Wirkungsgrad erhöht und der Schädling wird auf ganz natürliche Weise bekämpft. Die Kosten von biologischer und chemischer Bekämpfung halten sich zudem die Waage.

Für die Ermittlung des optimalen Bekämpfungstermins führen die AGRAVIS und die örtlichen Genossenschaften ein aufwendiges Monitoring mit Pheromonfallen und Lichtfallen durch. „Das Zeitfenster, in dem wir bislang reagieren mussten, war sehr eng“, sagt Reinhold Wintergalen. Die Ausbringung der Schlupfwespen strecke diesen Zeitraum von einigen Tagen auf mehrere Wochen.

Zum Thema:

Rein wissenschaftlich ist der Maiszünsler ein Kleinstschmetterling und gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schädlingen. Ursprünglich in Süd- und Mitteleuropa, Afrika und Teilen Asien beheimatet, kommt er heute fast in allen Teilen der Welt vor. In den Breiten des gemäßigten Europas pflanzt sich der Maiszünsler mit einer bis maximal zwei Generationen im Jahr fort, in Südeuropa sind sogar bis zu drei Generationen möglich. Die Falter sind nachtaktiv und legen mehrere hundert Eier in kleinen Gruppen auf der Blattunterseite ab. Die Hauptnahrungspflanzen der Raupen umfassen neben Mais auch andere Nutzpflanzen wie etwa Kartoffeln, Hopfen, Tomaten oder Rüben.

Der Maiszünsler schwächt durch seine Fraßgänge die Standfestigkeit der Pflanze und hemmt deren Entwicklung. Eine weitere Folge des Schädlingsbefalls können Krankheiten sein. Die Maispflanzen werden im schlimmsten Fall so als Nahrungs- oder Futterpflanze unbrauchbar. Lediglich eine energetische Nutzung als Biogas ist dann noch möglich.