Erstes Erntefazit fällt verhalten optimistisch aus

Sonnenschein und Regenschauer – das Wechselspiel des Wetters war in den vergangenen Tagen und Wochen sehr ausgeprägt. Das haben sowohl die Landwirte als auch die AGRAVIS-Experten im Arbeitsgebiet im Hinblick auf die laufende Erntesaison zum Teil mit großer Sorge beobachtet, haben doch Wind und Starkregen zu umfangreichem Lager geführt.

Bildmaterial zum Content


„Zum Glück sah es dann auf den ersten Blick doch schlimmer aus, als es letztendlich war“, sagt Dietrich Wünnemann, Produktionsberater der AGRAVIS Westfalen-Süd GmbH. Rund drei Viertel der Gerste seien in seiner Region bereits geerntet und das Fazit der Landwirte fällt positiv aus. Zwar habe der Regen die Ernte insgesamt verzögert. „Wir haben auch einige umgeknickte Ähren und Halme, aber beim Dreschen hat sich der Schaden als relativ gering herausgestellt“, berichtet Wünnemann.

Auch in Ostwestfalen sind inzwischen rund 70 Prozent der Gerste vom Feld geholt worden. „Wenn das Wetter so sonnig und trocken bleibt, rechnen wir insgesamt mit einer guten Gerstenernte“, sagt Johannes Hofnagel, Geschäftsführer der AGRAVIS Kornhaus Ostwestfalen GmbH. Einig sind sich Hofnagel und sein Kollege Wünnemann auch in der zu erwartenden Qualität. Mit 58 bis 65 Kilogramm je Hektoliter sei diese sehr schwankend und variiere deutlich mehr als in den Vorjahren, wo sich das Gewicht meistens zwischen 63 und 65 Kilogramm je Hektoliter eingependelt habe. Beide sehen zudem große Unterschiede zwischen den positiv entwickelten Beständen, die intensiv behandelt wurden, und den weniger intensiv geführten Flächen.

Auch im Arbeitsgebiet von Rainer Widdel, Geschäftsführer der AGRAVIS Niedersachsen-Süd GmbH, steht die Gerstenernte kurz vor dem Abschluss: „Im Osten – in der Region um Braunschweig und Magdeburg – haben wir bereits mit dem Rapsdrusch begonnen. Im Westen – um Hannover und Hameln – hatte sich die Ernte aufgrund von Starkregen verzögert, ist inzwischen aber auch nahezu abgeschlossen.“

In Brandenburg, Sachsen und Berlin, beobachtet Jens Zillmann, Geschäftsführer der FGL Fürstenwalder Futtermittel-Getreide-Landhandel GmbH, die Feldbestände seit Wochen ganz genau. Und er ist zufrieden: „Verglichen mit 2013 erwarten wir eine deutlich bessere Ernte.“ In den östlichen Regionen Deutschlands seien die Wetterverhältnisse in der jüngsten Vergangenheit ideal gewesen. Daher seien alle Seiten optimistisch, was die Prognosen hinsichtlich Qualitäten und Ertrag angehe.

Während das Fazit für die Gerstenernte also insgesamt verhalten optimistisch ausfällt, ist der Weizen nun das nächste Sorgenkind. Denn natürlich haben die Wetterextreme auch in den Weizenfeldern Spuren hinterlassen. In Westfalen und Ostwestfalen sind aufgrund der großen Wassermassen, des dauerhaften Nieselregens und der Unwetter der vergangenen Tage und Wochen große Teile der Pflanzen ins Lager gegangen.

„In unserer Region sind es rund 50 Prozent. Problematisch ist, dass die Ähren nicht trocknen und deshalb eine hohe Keimstimmung entsteht. Dementsprechend kann der Weizen nur noch als Futterweizen und nicht mehr als Brotweizen genutzt werden“, erklärt Johannes Hofnagel. Zusammen mit seinen Kollegen und Landwirten hofft er auf warmes, trockenes und luftiges Wetter in den kommenden Wochen. Dann könne es doch noch zu einer ertragreichen und qualitativ zufriedenstellenden Weizenernte kommen. „Insgesamt erwarten wir in diesem Jahr ein sehr heterogenes Ergebnis für Qualität und Ertrag“, ergänzt Rainer Widdel. Am Ende werde das Resultat der Weizenernte im Osten wohl besser ausfallen als im Westen.