Oktokopter wirft Schlupfwespen gegen Maiszünsler ab

Ein sogenannter Oktokopter, ein kleiner Hubschrauber mit acht Propellern, schwebt nahezu lautlos über den Flächen der Versuchsanlage St. Mauritz im Osten von Münster. Die AGRAVIS Raiffeisen AG testet auf ihren eigenen Flächen, wie die Drohnen bei der rein biologischen Bekämpfung des Maiszünslers helfen können.

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Sind sie jetzt da, die Außerirdischen? Und wenn ja, warum tänzelt ihr Fluggerät ausgerechnet über einem Maisfeld und schießt mit weißen Kügelchen um sich? Es hat tatsächlich etwas von einem Science-Fiction-Szenario, ist aber hochmoderne Landwirtschaft.

Ein sogenannter Oktokopter, ein kleiner Hubschrauber mit acht Propellern, schwebt nahezu lautlos über den Flächen der Versuchsanlage St. Mauritz Versuchsanlage St. Mauritz im Osten von Münster. Die AGRAVIS Raiffeisen AG testet auf ihren eigenen Flächen, wie die Drohnen bei der rein biologischen Bekämpfung des Maiszünslers Bekämpfung des Maiszünslers helfen können. Der Maiszünsler ist ein Schädling, der die Standfestigkeit des Maises beeinträchtigt. Durch das Anbohren kann er zudem den Befall der Pflanze mit Pilzkrankheiten fördern. In Streifenversuchen wurden Ertragsausfälle von bis zu 15 Prozent ermittelt.

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Doch auch die neueste Technologie kommt nicht ohne Handarbeit und Sachverstand aus. Eduard Schönhalz, Konstrukteur der Height-Tech GmbH in Bielefeld, ist der Pilot der Drohne. Ihm zur Seite stehen Reinhold Wintergalen von der Pflanzenbau-Beratung der AGRAVIS sowie Wilhelm Beitzen-Heineke, Chef von Biocare, Gesellschaft für biologische Schutzmittel mbH. Gemeinsam knien sie am Rande des Maisfeldes und füllen unscheinbare kleine weiße Kugeln in einen Behälter, der unten am Oktokopter befestigt ist. Diese Kügelchen haben es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: Etwa 2.000 Eier der Schlupfwespe (Trichogramma brassicae) schlummern in einer Hülle aus Paraffin und Cellulose. „Die Schlupfwespe ist der natürliche Feind des Maiszünslers. Sie auf Flächen auszusetzen, die von dem Schädling befallen sind, ist eine Alternative zur chemischen Bekämpfung“, erklärt Reinhold Wintergalen. Durch zwei Löcher gelangen die winzigen Tiere nach und nach ins Freie. Bis zu drei Generationen Schlupfwespen machen sich so innerhalb von zwei bis drei Wochen im Mais auf die Suche nach den Eigelegen des Maiszünslers.

Pflanze für Pflanze laufen sie dafür ab. „Haben sie ein Gelege gefunden, parasitieren sie diese, so dass am Ende Schlupfwespen und keine neuen Schädlinge herauskommen“, erläutert der Fachmann. Die Bekämpfung mit Trichogramma hat sich seit Jahren bewährt – bislang allerdings wurden die Kugeln oder Karten mit den Eigelegen per Hand oder mit umgebauten Stelzenschleppern ausgebracht. Beide Methoden sind deutlich arbeitsintensiver als der Oktokopter-Einsatz. „Wir wagen uns damit allerdings auf ein völlig neues Feld“, sagt Wintergalen. Bislang werden die unbemannten Mini-Drohnen vor allem für Luftbild-Aufnahmen genutzt. Die Vorteile dieses neuen Weges liegen für ihn und seine Mitstreiter jedoch ganz klar auf der Hand: Der Arbeitsaufwand wird reduziert, der Wirkungsgrad erhöht und der Schädling wird auf ganz natürliche Weise bekämpft. Die Kosten von biologischer und chemischer Bekämpfung halten sich zudem die Waage.

Von der Innovation bereits überzeugt und begeistert ist Landwirt Benedikt Sprenker. Seit 2008 beobachtet er auf seinen Flächen den Befall durch den Maiszünsler. „Ich habe von der Möglichkeit gelesen, die Schlupfwespen mit Hilfe des Oktokopters auf den Feldern zu verteilen“, berichtet Sprenker. Fast gleichzeitig sei die AGRAVIS mit dieser Idee an ihn herangetreten. Nun sind seine 29 Hektar in der Nähe von Beckum Testflächen. Für die Ermittlung des optimalen Bekämpfungstermins führen die AGRAVIS und die örtlichen Genossenschaften ein aufwendiges Monitoring mit Pheromonfallen und Lichtfallen durch. „Das Zeitfenster, in dem wir bislang reagieren mussten, war sehr eng“, sagt Sprenker. Die Ausbringung der Schlupfwespen strecke diesen Zeitraum von einigen Tagen auf mehrere Wochen.

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Rein wissenschaftlich ist der Maiszünsler ein Kleinstschmetterling und gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Schädlingen. Ursprünglich in Süd- und Mitteleuropa, Afrika und Teilen Asien beheimatet, kommt er heute fast in allen Teilen der Welt vor. In den Breiten des gemäßigten Europas pflanzt sich der Maiszünsler mit einer bis maximal zwei Generationen im Jahr fort, in Südeuropa sind sogar bis zu drei Generationen möglich. Die Falter sind nachtaktiv und legen mehrere hundert Eier in kleinen Gruppen auf der Blattunterseite ab. Die Hauptnahrungspflanzen der Raupen umfassen neben Mais auch andere Nutzpflanzen wie etwa Kartoffeln, Hopfen, Tomaten oder Rüben.

Der Maiszünsler schwächt durch seine Fraßgänge die Standfestigkeit der Pflanze und hemmt deren Entwicklung. Eine weitere Folge des Schädlingsbefalls können Krankheiten sein. Die Maispflanzen werden im schlimmsten Fall so als Nahrungs- oder Futterpflanze unbrauchbar. Lediglich eine energetische Nutzung als Biogas ist dann noch möglich.

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