Agritechnica 2015

AGRAVIS Technik Saltenbrock: Pferdestärken auf dem Prüfstand

AGRAVIS Technik Saltenbrock: Pferdestärken auf dem Prüfstand

Hans-Hermann Freymuth startet den Motor des Feldhäckslers und gibt Vollgas. Es wird laut, wenn die 598 PS nach der Norm ECE R 120 auf Volllast laufen, aber der Claas Jaguar bewegt sich keinen Millimeter. Soll er auch nicht, denn die Maschine steht nicht auf dem Acker, sondern ist mit einem Adapter an einer Leistungsbremse angeschlossen. Diese misst die tatsächliche Motorleistung.

So gibt der Motor zwar Vollgas, aber nur die Anzeige auf dem Laptop-Bildschirm schlägt aus. Bei der Messung entstehen zwei Kurven, die Leistung und Drehmoment darstellen. Der Landmaschinen-Mechatroniker der AGRAVIS Technik Saltenbrock GmbH AGRAVIS Technik Saltenbrock GmbH ist zufrieden mit dem Ergebnis. Der Test wird drei Mal wiederholt und ergibt einen Durchschnittswert, der beweist: Der Motor läuft wie geschmiert und bringt es auf die angegebene Leistung.

AGRAVIS Technik ist Vorreiter

70.000 Euro hat die AGRAVIS Technik Saltenbrock GmbH investiert, um die Motorleistung von Schleppern, Häckslern und Mähdreschern vor Ort in Melle-Wellingholzhausen oder in den anderen Niederlassungen der Gesellschaft prüfen zu können. Damit ist die Technik-Gesellschaft ein echter Vorreiter, denn die Leistungsbremse ist nur eine von zwei der größten in Deutschland genutzten mobilen Prüfstände ZW 1000 von Maha, die Maschinen mit einer statischen Leistung von bis zu 1.000 kW (1.360 PS) bzw. dynamischen Leistung von 1.400 kW (1.903 PS) prüfen können.

Investition in die Zukunft

Für Geschäftsführer Wilhelm Jürgens ist dies eine Investition für die Zukunft: „Die Leistungsklassen der Maschinen werden immer größer. Der stärkste Häcksler, der bei unseren Kunden unterwegs ist, hat 650 kW. Der größte Häcksler in Deutschland bringt es sogar auf 968 kW. Mit der neuen Leistungsbremse haben wir noch Luft nach oben.“ Auch Werkstattleiter Markus Brinkmann ist von dem neuen Hilfsmittel überzeugt: „Die Leistungsbremse ist jeden Tag im Einsatz, denn sie erleichtert unsere Arbeit enorm.“ Schließlich sei die Einschätzung der Leistung und des Kraftstoffverbrauchs der Maschine subjektiv. Die Leistungsbremse liefere dagegen kurzfristig ein hieb- und stichfestes Ergebnis.

Das Anschließen der Technik ist relativ unkompliziert: Traktoren werden über die vorhandene Standardschnittstelle mit der Leistungsbremse verbunden. Inklusive Vor- und Nachbereitung dauert der Vorgang zirka eine Stunde. Bei Häckslern und Mähdreschern dauert die Prüfung aufgrund einer aufwändigeren Vor- und Nachbereitung etwa einen Tag. Der Anhänger, auf dem die Leistungsbremse befestigt ist, muss dann auf eine Höhe mit dem Motor der Maschine gebracht und mit einem Adapter angeschlossen werden.

Prüfprotokoll deckt Fehler auf

Die Prüfung erfolgt automatisch über ein Softwareprogramm. Hans-Hermann Freymuth muss die Leistung langsam erhöhen und die Maschine für kurze Zeit auf Volllast laufen lassen. Die Leistungsbremse wirkt dabei wie ein Widerstand. Dieser Vorgang simuliert die Belastung des Häckslers bei der Ernte. Daraus entsteht das Prüfprotokoll, dass dem Kunden oder dem Hersteller vorgelegt wird. „Diese Aufzeichnungen werden mittlerweile von den Herstellern gefordert“, weiß Markus Brinkmann aus Erfahrung. „Und die Kunden können ebenfalls schwarz auf weiß sehen, ob Leistung und Kraftstoffverbrauch im grünen Bereich liegen.“ Weiterer Vorteil sei, dass die Maschinen überprüft werden könnten, bevor es zum Ausfall bei großen Arbeitsbelastungen, beispielsweise in der Ernte, kommt.

Wenn das Prüfprotokoll eine zu geringe Leistung oder einen zu hohen Kraftstoffverbrauch offen legt, wird die Ursache über die Diagnosesysteme der Hersteller gesucht und behoben. Früher mussten die besonders leistungsstarken Motoren ausgebaut und an den Hersteller geschickt werden, um dort überprüft zu werden. Damit kamen ein längerer Ausfall der Maschine und unter Umständen hohe Kosten auf den Kunden zu. „Diese Prüfung können wir nun als Dienstleistung deutlich schneller und günstiger anbieten“, freut sich Geschäftsführer Wilhelm Jürgens.

Service ist unser Feld. Mehr Informationen erhalten Sie auf der Agritechnica, Stand A13, Halle 20.