Chilla checkt!

AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla analysiert die Märkte

14.12.2017:

„Die Rapsversorgung in der EU ist deutlich besser als im Vorjahr. Unsicherheitsfaktor bleibt aber die Biodieselnachfrage“

Globale Ölsaatenversorgung 2017/2018 – Schwieriges Marktumfeld für den Raps

Im Wirtschaftsjahr 2017/18 wird sich die globale Rapsversorgungsbilanz im Vergleich zum Vorjahr entgegen der Vermutungen verbessern, da die Produktion in Kanada in diesem Jahr weit über den Erwartungen lag. Zudem gewinnt die Entwicklung im Biodieselsektor 2018 im Vergleich zu den Vorjahren wieder mehr an Bedeutung. Aufgrund von politischen Veränderungen erwarten die meisten Marktbeobachter, dass in der EU weniger Rapssaat Rapssaat zur Biodieselproduktion verwendet werden könnte.

Anders als Ende des Jahres 2016 ist das globale Angebot anderer Ölsaaten und auch von Pflanzenölen wie Palmöl deutlich höher.

Derzeit wird wieder eine komfortable Weltversorgung mit Sojabohnen erwartet. In den USA wurde eine neue Rekordproduktion eingefahren und auch in Südamerika soll die Ernte ähnlich hoch werden wie im Vorjahr. Dabei darf allerdings nicht vergessen werden, dass dort die Ernte noch bevorsteht. Ernteverluste im Vergleich zu den aktuellen Erwartungen sind auch durch das Wetterphänomen La Niña immer noch möglich.

Das globale Pflanzenölangebot wird sich im Vergleich zu Ende des Jahres 2016 wieder deutlich erhöhen. Sehr gute Witterungsbedingungen in den wichtigen Anbauregionen von Palmöl in Asien haben dazu geführt, dass trotz guter Nachfrage die Palmölbestände wieder deutlich aufgebaut wurden.

Weltweites Rapsangebot durch Rekordernte in Kanada besser als erwartet

Das globale Rapsangebot 2017/18 hat sich in den vergangenen Wochen wieder verbessert. Hauptgrund ist die Erhöhung der Ernteschätzung für Kanada, die über 1 Mio. t höher eingeschätzt wird, als noch im September angenommen. Sie soll nun einen neuen Rekord von über 21 Mio. t erreicht haben. Somit sollen die Bestände von Raps Raps 2017/18 weltweit im Vergleich zum Vorjahr nun doch wieder steigen. Dennoch sollte die globale Rapssaatnachfrage nicht vernachlässigt werden. Es gibt einen steigenden Bedarf an Rapsöl in Nordamerika und in Asien. In der EU hingegen soll die Rapsverarbeitung im Vergleich zum Vorjahr wieder sinken, da in wichtigen Ländern wie in Deutschland voraussichtlich weniger Raps verarbeitet werden wird. Ein Grund hierfür ist, dass im Biodieselsektor weniger Raps benötigt werden könnte. Der Biodieselsektor war lange Zeit der Motor auf der Nachfrageseite in der EU. Doch eine Änderung der Importpolitik von Biodiesel (u. a. Öffnung des Marktes von Biodiesel aus Argentinien) lässt erwarten, dass die Biodieselimporte aus Argentinien doch wieder stärker anziehen und Rapsöl aus der Biodieselmischung verdrängt wird.

Des Weiteren ändert sich ab Anfang Januar 2018 die Anrechnungsmethode des Biodiesels im konventionellen Diesel (Verschärfung der Treibhausgaseinsparziele). Dies könnte bedeuten, dass weniger Rapsöl zur Biodieselproduktion eingesetzt wird.

Bedacht werden sollte zudem, dass die relativ enge Versorgungslage beim Raps nicht ausreichen dürfte, um wieder ähnliche Preisniveaus von Rapssaat wie zuletzt im November/Dezember 2016 oder im Wirtschaftsjahr 2012/13 zu erwarten. Dazu bedarf es unter anderem einer knappen Versorgungslage bei anderen Ölsaaten und/oder beim Palmöl.

Weltweit keine knappe Versorgungslage bei Sojabohnen 2017/18 erwartet

Die Sojabohnenernte soll in den USA trotz unterdurchschnittlicher Wachstumsbedingungen auch diesmal wieder sehr gut ausgefallen sein. Ein deutlicher Rückgang der Endbestände 2017/18 wird derzeit nicht erwartet. Brasilien fuhr im Wirtschaftsjahr 2016/17 eine absolute Rekordernte ein. Deutliche Überhangbestände führen dazu, dass in den vergangenen Monaten deutlich mehr Sojabohnen exportiert werden konnten als noch vor einem Jahr. Auch Argentinien bescherte 2016/17 eine sehr gute Ernte mit einer ebenfalls verbesserten Versorgungslage. Dadurch konnte auch die sehr gute Nachfrage an Sojabohnen, vor allem aus China, gedeckt werden. Auch in diesem Wirtschaftsjahr wird erwartet, dass China seine Sojabohnenimporte weiter steigert. In China wird derzeit knapp jede dritte Sojabohne, die weltweit produziert wird, verbraucht.

Wetterentwicklung in Südamerika rückt in den Fokus

Es darf nicht vergessen werden, dass die Ernte von Sojabohnen in Südamerika noch nicht eingefahren ist. Somit können Endbestände noch drastisch reduziert werden, falls das Angebot in Südamerika gegenüber den aktuellen Schätzungen noch sinkt. Wichtigster Einflussfaktor in den kommenden Wochen wird die Wetterentwicklung sein. Derzeit ist es in Argentinien zu trocken. Aber die wichtigste Wachstumsphase für die Sojabohnen ist im Januar. Wenn auch der Januar viel zu trocken werden sollte, dürfte sich das Angebot von Sojabohnen im Vergleich zu den aktuellen Schätzungen drastisch reduzieren. Aufgrund des Eintretens des Wetterphänomens La Niña in diesem Jahr steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch der Januar 2018 trockener wird im Vergleich zum langjährigen Mittel.

Deutlich verbesserte Palmölversorgung weltweit

Dagegen dürfte die Palmölproduktion von einem La Niña eher profitieren. Somit wird sich die Versorgungslage 2017/18 voraussichtlich deutlich verbessern. Dann dürften die Erträge der Ölpalmen überdurchschnittlich hoch werden und das Angebot von Palmöl, dem wichtigsten Pflanzenöl weltweit, wieder deutlich erhöhen. Ende 2016 waren die globalen Palmölbestände drastisch abgebaut worden – als Folge guter Nachfrage und hoher Ernteverluste in Malaysia und Indonesien. Es wurde außerdem mehr Rapsöl verbraucht, das teilweise Palmöl im Lebensmittel- und Industriesektor ersetzt hatte.

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Es handelt sich bei der obigen Analyse ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können irgendeine Prognose bzgl. der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.