Chilla checkt!

AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla analysiert die Märkte

14.11.2017:

„Die EU-Mais-Importe sind erschwert durch die Einführung des Importzolls und die Erträge in Russland und der Ukraine, die geringer als erwartet waren.“

Globale Versorgungslage Körnermais 2017/2018

Weltweit ist die Maisversorgung vor allem in den kommenden Monaten ausreichend hoch, um den globalen Bedarf decken zu können. In der EU bleibt die Versorgungslage jedoch angespannter. Mais Mais scheint weiterhin aus relativer Sicht zu teuer zu sein, um langfristig den Weizen Weizen im Futtersektor zu ersetzen. Erst ein starker Anstieg des Weizenpreises oder ein deutlicher Rückgang des Maispreises in der EU dürfte eine Veränderung im Verbrauch nach sich ziehen. Der Importbedarf bleibt hoch und wird voraussichtlich über der Vorjahresmenge sein. Falls wider Erwarten die Importe niedriger sind, müsste mehr Mais im Futtersektor durch andere Getreidearten wie Weizen oder Gerste ersetzt werden.

Abbau der globalen Maisbestände 2017/2018 hauptsächlich in China

Nachdem seit dem Wirtschaftsjahr 2010/11 die Endbestände weltweit kontinuierlich aufgebaut wurden, soll nun 2017/18 ein leichter Abbau erfolgen. Die Endbestände sollen dennoch fast doppelt so hoch sein als noch vor 10 Jahren. Auffällig ist aber, dass der Abbau der globalen Endbestände 2017/18 im Wesentlichen in China erfolgen soll. Wie beim Weizen sollten zwischenzeitlich über 50 Prozent der weltweiten Endbestände in China gewesen sein. Derzeit erwartet das USDA für 2017/18, dass der chinesische Anteil an den globalen Endbeständen auf nur noch 39 Prozent sinken soll. In China fördert die dortige Regierung massiv den Aufbau von Anlagen zur Herstellung von Ethanol (für den Kraftstoffsektor). Der Aufbau der Bestände – und das ist der wesentlichste Unterschied zum Weizenmarkt – dürfte 2017/18 in den Exportländern stattfinden.

Wieder eine sehr gute Maisernte in den USA erwartet – kein Bestandsabbau erwartet

In den USA sollen die Endbestände weiter steigen und nun mit 60 Mio. t knapp dreimal so hoch sein wie 2012/13. Auch in diesem Jahr dürfte die Maisernte in den USA trotz zum Teil widriger Wachstumsbedingungen wieder weit überdurchschnittlich hoch ausfallen. Seit 2012/13 wurden nun schon keine signifikanten Ertragsverluste mehr beobachtet. Der Maisertrag 2017/18 soll der zweithöchste in der Geschichte der USA werden und 40% über den Erträgen aus der Missernte 2012/13 liegen.

Bedeutung Brasiliens und Argentiniens nimmt weiter zu

Hohe und auch leicht weiter wachsende Bestände werden auch in Argentinien und Brasilien erwartet. Brasilien hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Exporteure von Körnermais entwickelt. Ebenfalls in Argentinien gewinnt der Maisanbau wieder verstärkt an Bedeutung. Auch dort wächst nun der Exportüberschuss stetig. Beide Länder zusammen exportieren derzeit pro Jahr rund 60 Mio. t Mais. Das entspricht einem Anteil von rund 40 Prozent am globalen Welthandel. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 20 Prozent.

Ertragsausfälle in der Ukraine und in Russland

Ernteausfälle werden derzeit nur in der Ukraine und in Russland im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Viel zu warmes und trockenes Wetter sowie sehr widrige Erntebedingungen ließen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr deutlich sinken. Der Exportüberschuss dürfte im Vergleich zu 2016/17 rund 3 bis 5 Mio. t unter den Exporten des Vorjahres sein. Die Entwicklung in der Ukraine und in Russland hat aber eine wichtige Bedeutung für den EU Markt. In Brasilien, Argentinien und den USA wird mehrheitlich gentechnisch veränderter Mais angebaut. Dieser Mais wird aber von den EU Staaten weniger stark nachgefragt und ist zudem teilweise nicht für den Import in der EU zugelassen. Nur aus Russland und in der Ukraine konnte in den vergangenen Jahren bedenkenloser Mais eingeführt werden.

Versorgungslage in der EU bleibt unverändert zu den Vorjahren

In der EU soll nun im dritten Jahr in Folge nur eine durchschnittliche Ernte eingefahren werden. Im vergangenen Jahr gab es Ernteverluste in Frankreich, dagegen lagen im Osten der EU die Erträge auf Rekordniveau. In diesem Wirtschaftsjahr ist die Ausgangslage genau umgekehrt. Eine sehr gute Ernte wird für Frankreich erwartet, dagegen fallen die Erträge im Süden und Südosten der EU im Vergleich zum Vorjahr deutlich ab. Wie schon im vergangenen Wirtschaftsjahr bleibt der Importbedarf der EU überdurchschnittlich hoch. Das Angebot in der EU sollte wieder nicht ausreichen, um den stabil hohen Bedarf im Futtersektor sowie den steigenden Bedarf zur Ethanol- und Stärkeproduktion zu decken. Derzeit ist es aber sehr schwierig, hohe Importe von Körnermais zu realisieren. Einerseits liegt das Importangebot aus Russland und der Ukraine unter der Vorjahresmenge. Zudem hat die EU-Kommission vor ein paar Wochen den Maisimportzoll wieder eingesetzt. Der Importzoll verteuert den Mais aus der Ukraine und Russland zusätzlich. Daher kann, wie im vergangenen Wirtschaftsjahr, wieder mehr heimischer Weizen oder Gerste im Futtersektor verwendet werden.

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Es handelt sich bei der obigen Analyse ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können irgendeine Prognose bzgl. der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.