Chilla checkt!

AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla analysiert die Märkte

3.5.2018:

„Widrige Aussaatbedingungen und eine hohe chinesische Nachfrage sorgten im April für Unterstützung des Gerstenmarkts. Bleibt die globale Gerstenversorgung auch 2018/2019 angespannt?“

Der internationale Gerstenmarkt 2018/2019 – ein Ausblick

Im Wirtschaftsjahr 2017/2018 sollten die weltweiten Gerstenvorräte erheblich abgebaut werden. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium erwartet sogar, dass die Endbestände die niedrigsten seit 1983/84 und die zweitniedrigsten seit 1970/71 sind.

Im Wesentlichen lässt sich diese Entwicklung auf zwei Ursachen zurückführen: Aufgrund wenig attraktiver Erzeugerpreise für Gerste Gerste sank die Anbaufläche 2017/18 gegenüber dem Vorjahr. So wurde 2017/18 trotz Rekorderträgen weniger Gerste produziert als noch in 2016/17. Gleichzeitig aber stieg die globale Nachfrage deutlich an. Neben Saudi-Arabien hatten vor allem China und auch der Iran erheblich mehr Gerste nachgefragt als noch im Durchschnitt der Jahre zuvor. Eine Folge der sehr angespannten Gerstenversorgung weltweit war, dass in manchen Ländern der Futtergerstenpreis über dem Preis von Brotweizen notierte. In der Folge waren und sind Gerstenpreise in manchen Regionen der Welt höher als die Preise für Mahlweizen – normalerweise ein Anlass für die Landwirte, den Anbau von Gerste zur Ernte 2018/19 wieder auszuweiten. Doch aufgrund ungünstiger Witterung in wichtigen Anbauregionen von Sommergerste in Europa kam und kommt die Feldbestellung nur langsam voran. Nun kann schon jetzt für 2018/19 alleine durch eine Verzögerung der Aussaat - wie 2017/18- auf ein niedriges globales Angebot geschlossen werden.

Globale Gerstenversorgung ist 2017/18 sehr angespannt – Eine sehr gute Nachfrage trifft auf sinkendes Angebot

Die knappste Versorgunglage von allen wichtigen Getreidearten Getreidearten weltweit im Wirtschaftsjahr 2017/18 weist die Gerste auf. 2017/18 erwartet das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA, dass die globalen Vorräte deutlich sinken und mit 18,2 Mio. Tonnen so niedrig sein werden wie noch zuletzt 1983/84. Zum Vergleich: Als zuletzt in der EU Interventionskäufe von Gerste stattfanden (Wirtschaftsjahr 2009/10), lagen die globalen Bestände bei über 37 Mio. Tonnen. Ein wesentlicher Grund der sinkenden Bestände weltweit war ein starker Rückgang der Gerstenerzeugung im Vergleich zumVorjahr. Vor allem in der Ukraine, Australien und der EU wurde weitaus weniger Gerste produziert, da die Landwirte die Anbaufläche von Gerste aufgrund unattraktiver Erzeugerpreise im Wirtschaftsjahr 2016/17, weltweit zurückgefahren hatten. Vor allem die Produktionshöhe in der Ukraine, Australien und in der EU ist wichtig für die Weltversorgung. Diese drei Regionen exportieren rund 70 Prozent des globalen Gerstenbedarfs im Jahr.

Nachfrage von China 2017/18 wurde erheblich unterschätzt

Somit konnte schon im Sommer 2017 festgestellt werden, dass das Angebot weit unter dem des Vorjahres lag. Verschärft wurde die Versorgungslage bei Gerste Gerste dazu noch, dass die weltweite Nachfrage dann doch höher war als noch zu Beginn des Wirtschaftsjahres erwartet wurde. Dabei war nicht mehr Saudi Arabien der wichtigste Einflussfaktor, sondern die Nachfrage aus China und auch dem Iran war deutlich besser. China könnte noch in diesem Wirtschaftsjahr mehr Gerste einführen als Saudi Arabien und damit der größte Importeur weltweit werden.

In China wird aktuell viel Gerste im Futtersektor eingesetzt, um dort den im Inland teuren Körnermais teilweise zu ersetzen. Die chinesische Nachfrage bleibt aber in den kommenden Jahren die große Unbekannte. Schon in der Vergangenheit zeigte sich, dass aufgrund von beispielsweise politischen Eingriffen der Import von Futtergerste nahezu zum Erliegen kam. Es zeigt sich auch aktuell, dass die chinesische Regierung den Import von US Sorghum verhindert. Diese Entscheidung ist auch eine Chance, dass auch 2018/19 die Nachfrage über den Erwartungen liegt. Wichtigster Ursprung für den chinesischen Markt ist Gerste aus Australien, der Ukraine und Kanada.

Die Nachfrage von Saudi Arabien ist dagegen viel besser absehbar. Der Importbedarf ist in den vergangenen Jahren nahezu konstant und sollte sich auch 2018/19 kaum verändern. Dabei bleibt aber zu berücksichtigen, dass noch zwischen 2010 und 2015 die Gersteneinfuhren erheblich höher waren als noch zuletzt. Die EU ist neben Russland und die Ukraine der wichtigste Ursprung.

Anbaufläche von Gerste soll zur Ernte 2018/19 weltweit wieder steigen

Die gestiegenen Gerstenpreise in diesem Wirtschaftsjahr hatten dazu geführt, dass in den wichtigsten Anbauregionen weltweit Landwirte planten, die Anbaufläche auszudehnen. Berichte aus Australien, der EU, aus Kanada, aus Argentinien sowie aus Russland deuten auf eine starke Erhöhung der Anbaufläche hin. Eine starke Erhöhung der Anbaufläche soll vor allem in Australien und in Russland stattfinden.

Probleme bei Aussaat von Gerste weltweit – Bestellung ist verzögert

Doch sowohl die Wetterentwicklung im vergangenen Herbst als auch das Wetter in diesem Frühjahr machte den Landwirten teilweise einen Strich durch die Rechnung. Dieses zeigte sich in den vergangenen Wochen besonders in der Ukraine und aktuell in Russland. Der März 2018 war in der Ukraine viel zu kalt, sodass die Aussaat erst im April begann und die Anbaufläche nun höchstwahrscheinlich unter der des Vorjahres liegt. In Russland verhinderte das Wetter eine frühe Bestellung. Auch in Australien verzögert das Wetter eine frühe Gerstenaussaat. Noch kann die Gerste in beiden Ländern bis Mitte/Ende Mai gesät werden, dennoch sind die Startbedingungen alles andere als optimal.

In der EU höhere Produktionserwartungen als 2017/18

In der EU sind dagegen die Rahmenbedingungen ganz anders als noch 2017/18. Die Anbaufläche dürfte stark zulegen und auch die Produktion dürfte in diesem Jahr über Vorjahr liegen. Ein wichtiger Grund ist die Wetterlage in Spanien. Dort sind die Wachstumsbedingungen aufgrund des guten Niederschlages erheblich besser als noch vor einem Jahr. Eine gute Ernte in Spanien hat aber auch zur Folge, dass der Importbedarf sinken wird. Somit fehle dann im EU Markt ein größerer Nachfrager. Ein möglicher Exportüberschuss in Frankreich und Deutschland müsste dann verstärkt in Drittländer exportiert werden. Somit gewinnt vor allem die globale Nachfrage hierzulande an Bedeutung. Eine wiederum ähnlich knappe Versorgungslage in der EU ist daher zu erwarten, wenn die globale Nachfrage auch 2018/19 so stabil bleibt wie zuletzt und in der Ukraine und Russland der Exportüberschuss 2018/19 nicht so hoch wird wie im vergangenen Jahr.

Sehr gute Produktion ist 2018/19 nötig, um Vorräte wieder signifikant zu erhöhen

Weltweit steigen und fallen die globalen Vorräte mit der Nachfrage Chinas. Wenn China auch 2018/19 einen hohen Bedarf hat, muss weltweit eine neue Rekordernte eingefahren werden, um überhaupt eine signifikante Steigerung der globalen Bestände zu erwarten. Falls aber die chinesische Nachfrage gegenüber 2017/18 sinken sollte, ändert sich die Versorgungslage deutlich. Ein wichtiger Einflussfaktor wird dabei in den kommenden Wochen der Ausgang des Handelsstreits zwischen den USA und China sein.

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Es handelt sich bei der obigen Analyse ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können irgendeine Prognose bzgl. der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.