Chilla checkt!

AGRAVIS-Experte Bernhard Chilla analysiert die Märkte

29.3.2018:

„Die starke Trockenheit in Argentinien wird Einfluss auf den deutschen Futtermittelmarkt haben. Die Verfügbarkeit von Sojaschrot in der EU wird bedingt durch eine sinkende südamerikanische Sojaschrotproduktion unter dem Niveau des Vorjahres erwartet und dürfte durch andere Proteinträger ersetzt werden“

Trockenheit in Argentinien – Erstmals seit 2011/2012 wird ein Abbau der globalen Sojabohnenbestände erwartet

In diesem Wirtschaftsjahr erwartet das amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA einen Abbau der globalen Sojabohnenbestände 2017/18 im Vergleich zum Vorjahr. Trotz einer Rekordproduktion in den USA und auch möglicherweise in Brasilien, sollte die globale Erzeugung nicht ausreichen, um den erwarteten Verbrauch decken zu können. Ursache dieser Erwartungshaltung ist die größte Trockenphase seit über 30 Jahren in den wichtigsten Anbauregionen der Sojabohnen Argentiniens. Zudem soll nach Schätzungen vieler Marktbeobachter die globale Nachfrage weiter wachsen. Hauptgrund ist wieder China. Das Importwachstum Chinas scheint sich ungebremst fortzusetzen. 2018/19 könnten die Sojabohnenimporte Chinas sogar erstmals die 100-Millionen-Tonnen-Hürde knacken. Damit könnten sich die Einfuhren innerhalb von 8 Jahren verdoppelt haben. Die Trockenheit in Argentinien sollte aber zusätzlich Auswirkungen auf den EU Markt haben. Argentinien ist mit Abstand der wichtigste Exporteur von Sojaschrot weltweit. Fast jede zweite weltweit gehandelte Tonne Sojaschrot kommt aus Argentinien. Die EU-Staaten sind neben Ländern aus Südostasien die wichtigsten Abnehmer von argentinischem Sojaschrot.

Globale Sojabohnenbestände 2017/2018 sollen erstmals seit 2011/2012 wieder sinken

Nachdem in den vergangenen fünf Wirtschaftsjahren eine Rekordernte von Sojabohnen nach der anderen eingefahren wurde, scheint sich 2017/18 erstmals wieder die Versorgungslage gegenüber den Vorjahren zu verändern. Die globalen Endbestände sollen im Vergleich zum Vorjahr leicht sinken. Erstmals sollen seit 2011/12 die Bestände weltweit wieder abgebaut werden. Dieses alleine deutet noch nicht auf eine knappe Versorgungslage weltweit hin, da die globalen Vorräte sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht haben. So sollten sich in den USA die Bestände innerhalb der vergangenen drei Jahre auf 15 Mio. t fast verdreifacht haben, in Brasilien dagegen unverändert hoch bleiben. Die USA entwickeln sich nun auch für Sojabohnen zu einem Lagerstandort. In all den Jahren zuvor wurden dort hauptsächlich Mais und Weizen bevorratet.

Stärkste Trockenheit seit über 30 Jahren in Argentinien senkt Ernteprognosen deutlich

Dennoch sollen die Bestände weltweit abgebaut werden. Der wesentliche Grund ist ein erwarteter Ernterückgang in Argentinien. Dort war es während der Hauptwachstumszeit der Sojabohnen viel zu trocken, teilweise so trocken wie zuletzt vor mehr als 30 Jahren. Noch hat die Ernte noch nicht begonnen, dennoch sinken die Ernteschätzungen signifikant im Vergleich zu der Erzeugung der Vorjahre. So soll die Ernte nach Einschätzungen lokaler Marktbeobachter 40 bis 45 Mio. t erreichen und damit über 10 Mio. t weniger als noch im Vorjahr. Auch die Nachbarländer Uruguay und Paraguay sind von der Trockenheit betroffen. Dort wird eine sinkende Produktion gegenüber dem Vorjahr erwartet. Diese möglichen Ernteverluste dürften auch nicht von einer neuen Rekordernte in Brasilien kompensiert werden. Somit dürfte die Sojabohnenproduktion in Südamerika knapp 15 Mio. t niedriger ausfallen als 2016/17.

China scheint weiterhin ungebremst Sojabohnen zu importieren – ein neuer Einfuhrrekord wird erwartet

Gleichzeitig scheint der weltweite Bedarf weiterhin zu wachsen. Die Einfuhren Chinas steuern auf ein neues Rekordniveau zu. So könnten erstmals über 100 Mio. t Sojabohnen nach China gelangen. Vor zehn Jahren war es noch die Hälfte. Diese schon fast unheimliche Nachfrage in China scheint sich weiterhin ungebremst fortzusetzen. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Einerseits hat sich in China eine hohe Verarbeitungskapazität aufgebaut. Die Kapazitäten waren in den vergangenen Jahren nicht ausgelastet. Seit gut einem Jahr scheint sich der Import des Sojaöls nicht so gut zu rechnen als Sojaöl im Inland selbst zu produzieren. Die Sojaschrotnachfrage stieg zusätzlich noch an. Der Einsatz anderer Proteinträger wie DDGS wurde aufgrund fehlender Verfügbarkeit gesenkt und durch Sojaschrot ersetzt. Auch führte eine Neuausrichtung der chinesischen Fleischproduktion dazu, dass die Schweine- und Geflügelhaltung in den teils kleinbäuerlichen Strukturen verboten wurde. Dadurch entstanden größere Produktionseinheiten und das Fütterungsverfahren wurde umgestellt. Auch die EU sollte im Vergleich zu den Vorjahren mehr Sojabohnen importieren. Dennoch sind die Wachstumsraten unverkennbar geringer als in China. Die Ursache der steigenden Importe ist eine andere. Der wichtigste Grund wird sein, dass das Angebot von Sojaschrot in den Exportländern durch die Trockenheit in Argentinien unter dem des Vorjahres liegen soll. Argentinien ist mit Abstand der größte Exporteur von Sojaschrot weltweit.

Mögliche Missernte in Argentinien kann das Sojaschrotangebot für den EU Markt in diesem Jahr deutlich senken

Ernteverluste von Sojabohnen sollten auch dazu führen, dass Im Vergleich zu den Vorjahren weniger Sojabohnen in Argentinien verarbeitet werden. Das Angebot für die argentinischen Verarbeitungsunternehmen dürfte auch dadurch gesenkt werden, dass sich für landwirtschaftliche Betriebe in Argentinien im Laufe des Jahres neue Vermarktungsmöglichkeiten für die Sojabohnen ergeben. Die argentinische Regierung senkt seit Anfang des Jahres pro Monat die Exportzölle auf Sojabohnen (auch auf die Koppelprodukte) um 0,5 Prozent-Punkte (Ziel ist ein Exportzoll von 18 Prozent im Jahr 2020). Somit dürfte sich auch die Vermarktung der Sojabohnen an exportorientierte Unternehmen verbessern. So könnte der globale Sojaschrothandel Vergleich zum Vorjahr sogar sinken.

Andere wichtige Exportländer wie Brasilien und die USA dürften mögliche Exporteinbußen Argentiniens nur teilweise kompensieren. Daher versuchen viele wichtige Verbrauchsländer von Sojaschrot, so auch die EU, mehr Sojabohnen zu importieren, diese zu verarbeiten und damit die Sojaschroteinfuhren zu ersetzen. Dennoch muss bei dieser Entwicklung berücksichtigt werden, dass ein Ersatz der Sojaschroteinfuhren durch eine erhöhte Verarbeitung der Sojabohnen nur ansatzweise möglich ist. Vor allem in der EU fehlen dazu die Verarbeitungskapazitäten. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit stark an, dass das Angebot von Sojaschrot für den Import in die EU-Länder nicht so einfach und quantitativ zur Verfügung stehen wird wie noch in den Vorjahren.

Somit bleibt für die kommenden Monate festzuhalten, dass sich durch die Trockenheit in Argentinien die globale Versorgungslage, vor allem von Sojaschrot, im Vergleich zu den Vorjahren verändern wird. Bestände sollten abgebaut werden und die Warenverfügbarkeit nicht so üppig zur Verfügung stehen wie zuletzt. Dennoch wird derzeit keine knappe Versorgungslage von Sojabohnen und damit auch von Sojaschrot erwartet wie noch in den Wirtschaftsjahren 2011/12 und 2012/13.

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Es handelt sich bei der obigen Analyse ausdrücklich nicht um eine Anlageempfehlung! Der Autor stellt lediglich seine persönliche Meinung nach Bewertung verschiedener Marktkriterien dar. Weder der Autor noch die AGRAVIS Raiffeisen AG können irgendeine Prognose bzgl. der Entwicklung von Rohstoffpreisen abgeben und weisen ausdrücklich darauf hin, dass diese starken Schwankungen unterliegen können und von vielen teils unbekannten Faktoren beeinflusst werden.