Interview mit Verbandschef Martin Bentele zur Holzpelletqualität in Deutschland: „Wir sind die Musterknaben“

31.05.2017

ENplus-zertifizierten Handelsunternehmen für Holzpellets Holzpellets wie der Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH stellt der Verbandschef Martin Bentele ein gutes Zeugnis aus. Sie garantierten durch eine vorausschauende Bevorratung die Versorgungssicherheit. Eigenmarken des Handels wie „RPellets“ „RPellets“ seien ein wichtiges Instrument der Kundenbindung.

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Im Gespräch mit Oliver Korting (r.), Geschäftsführer der AGRAVIS-Konzerngesellschaft Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH, warf Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Pelletinstituts und des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes, einen Blick auf den aktuellen Holzpelletmarkt.Interview mit Verbandschef Martin Bentele zur Holzpelletqualität in Deutschland: „Wir sind die Musterknaben“
Im Gespräch mit Oliver Korting (r.), Geschäftsführer der AGRAVIS-Konzerngesellschaft Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH, warf Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Pelletinstituts und des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbandes, einen Blick auf den aktuellen Holzpelletmarkt.

Martin Bentele, Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband e.V. (DEPV) und der Deutsches Pelletinstitut GmbH (DEPI), stand der Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH für ein exklusives Interview zur Verfügung. Der Diplom-Forstwirt ist auch ehrenamtliches Vorstandsmitglied beim Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. (BEE) und seit März 2017 Vorsitzender des Kuratoriums von proHolz Bayern. Die Raiffeisen Bio-Brennstoffe GmbH ist eine Konzerngesellschaft der AGRAVIS Raiffeisen AG.

Wie bewerten Sie den Holzpelletmarkt 2017?

Martin Bentele: Wenn wir uns bei Marktteilnehmern umhören, dann haben wir beim Kesselzubau bisher ein Plus zwischen 5 und 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2016 war schon schwach, deswegen wird auch 2017 kein Superjahr werden. Wir leiden darunter, dass die Energiewende am Wärmemarkt nicht richtig vorankommt.

Woran liegt das?

Bentele: Es fehlt vor Ort die Berufsgruppe, die die Menschen davon überzeugt, auf erneuerbare Wärmequellen umzustellen. Die Mehrheit der Heizungsbauer ist mit ihrem Alltagsgeschäft, und das sind vor allem fossile Heizungen und Bäder, voll ausgelastet und hat keinen Druck, sich mit der Materie zu befassen.

Lassen sich die 33.000 zusätzlichen Pelletfeuerungen in 2017 noch erreichen, die zu Jahresbeginn prognostiziert wurden?

Bentele: Wir hatten von vornherein zurückhaltende Erwartungen formuliert. Daher gehen wir davon aus, dass wir das schaffen. Diese Zahl umfasst ja auch die Pelletöfen. Vor einigen Jahren hatten wir schon mal 33.000 neue Pelletheizungen jährlich! Unser Anspruch muss es sein, einen jährlichen Anstieg zu bekommen, der in Richtung 50.000 geht, damit sich das Geschäft gut entwickelt.

Verbraucher, die sich mit einer Umstellung der Heizung beschäftigen, hinterfragen häufig die Versorgungssicherheit bei Holzpellets. Können Sie die Bedenken zerstreuen?

Bentele: Auf jeden Fall. In deutschen Wäldern stehen die größten Holzvorräte Mitteleuropas. Daraus ergibt sich, dass wir auch die meisten Sägewerke haben. Das heißt: Hier wird das meiste Rundholz eingeschnitten und folglich fällt auch das meiste Sägerestholz an – alleine an Hackschnitzeln und Sägespänen 6 bis 7 Mio. Tonnen im Jahr. Zum Vergleich: Wir produzieren in Deutschland jährlich rund 2 Mio. Tonnen Pellets. Da ist also noch viel Luft nach oben.

Tut der Handel genug, um die Versorgungssicherheit bis zum Verbraucher zu gewährleisten?

Bentele: Der qualifizierte Handel, und das sind in der Regel die ENplus-zertifizierten Unternehmen, wissen um die Bedeutung der Einlagerung im Herbst für die Versorgungssicherheit und handeln danach. Die Problemfälle findet man eher bei denjenigen Händlern, die Pellets ohne große Überzeugung „nebenher“ verkaufen, aber dann laut schreien, wenn sie wegen ihrer eigenen Kurzsichtigkeit schlecht bevorratet sind.

Halten Sie eine gesetzlich vorgeschriebene Bevorratung wie bei Mineralölprodukten für sinnvoll?

Bentele: Wenn ich der Politik sagen müsste: „Zwingt uns über Vorschriften zur Versorgungssicherheit“, wäre das ein Armutszeugnis. Ich bin sicher, dass unsere kompetenten Händler das allein stemmen können – ohne politischen Druck. Eine hinreichende Bevorratung gehört für einen guten Händler zum Einmaleins. Falls das wider Erwarten nicht dauerhaft funktionieren sollte, müsste man über Vorgaben innerhalb der ENplus-Zertifizierung nachhelfen.

Für Pelletheizungen gibt es attraktive öffentliche Förderungen. Aber nur wenige Verbraucher wissen davon, zudem sind die Förderrichtlinien schwer überschaubar. Wie sehen Sie das?

Bentele: Es gibt sicherlich zehn Prozent der Verbraucher, die die Förderkulisse grob überblicken und sich wegen Spezialfragen dann an einen Fachmann wenden. Aber die meisten wissen eben nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Wir haben an manchen Orten in Deutschland über Bundes-, Landes- und kommunale Förderung die Situation, dass man rund die Hälfte der Investitionskosten erstattet bekommt. Das Problem ist: Wir haben keine Berufsgruppe, die dem Verbraucher diese gute Nachricht überbringen will. Daran hakt es. Es gibt gute Heizungsbauer, die sich intensiv mit der Materie beschäftigen und sich mit erneuerbarer Wärme auskennen, aber es sind noch deutlich zu wenige. Außerdem hat es die Politik versäumt, die von ihr beschlossenen Förderungen von Beginn an auch zu kommunizieren. Es heißt nicht umsonst: Tue Gutes und rede darüber.

Wie ist es um den Qualitätsstandard der Pellets bestellt?

Bentele: Ich finde, dass wir gemeinsam mit den Produzenten und dem Handel etwas Gutes geschaffen haben. Wir haben mit dem ENplus-Siegel einen Standard, hinter dem die gesamte qualitätsorientierte Branche steht und der die komplette Lieferkette abdeckt. In der hohen Qualität, wie die Pellets produziert werden, kommen sie auch im Keller der Kunden an.

Welche Rolle spielt die homogene Längenverteilung der Pellets?

Bentele: Eine sehr große. Leider berücksichtigen bislang weder die ISO-Norm noch ENplus Anforderungen an die Längenverteilung, obwohl sie für die Logistik und das Brennverhalten eine erhebliche Bedeutung hat. Um Grenzwerte festzulegen, muss aber erst ein anerkanntes Messverfahren her. Hier bereiten wir die Standardisierung einer optischen Methode vor. Bei einzelnen wichtigen Pelleteigenschaften wie der mechanischen Festigkeit sind wir noch nicht da, wo wir sein könnten. Im internationalen Vergleich ist die Spreizung bei ENplus A1 noch zu hoch. Die deutschen Pelletproduzenten erreichen Festigkeiten von über 99 Prozent. Wir sind hier die Musterknaben. Andere Märkte bewegen sich zwar auch innerhalb der Norm, dort gibt es aber noch Luft nach oben.

Wie würde sich das auf den deutschen Markt auswirken?

Bentele: Man könnte überlegen, ein A1plus einzuführen, das deutsche Produzenten ohne Mehraufwand erreichen könnten. Wenn das gewünscht wird, werden wir versuchen, das voranzutreiben.

Viele Handelsunternehmen setzen bei Pellets auf Eigenmarken. Welche Bedeutung hat das für den Holzpelletmarkt?

Bentele: Ich denke schon, dass eine Marke ein wichtiges Instrument der Kundenbindung ist. Sie stärkt das Vertrauen zum Händler und seinem Produkt. Für 10 Euro Preisvorteil wechselt dann niemand mehr so schnell den Anbieter. Das Zusammenspiel zwischen eigener Vertriebsmarke des Handels und ENplus-Zertifizierung funktioniert sehr gut.

Das Deutsche Pelletinstitut ist zurzeit dabei, den ENplus-Standard auch auf Holzbriketts zu übertragen. Wie weit sind Sie da?

Bentele: Wir haben uns die moderne Holzenergie insgesamt auf die Fahne geschrieben. Sie muss die Anforderungen an Qualität, Komfort und niedrige Emissionen erfüllen. Pellets tun das, und Holzbriketts auch. Sie haben durch die hohe Anzahl an Öfen in Deutschland eine Zukunft und bieten gegenüber dem Scheitholzheizen klare Vorteile, z.B. bei den Emissionen. Sollte dieses in Zukunft noch weiter reglementiert werden, dann haben wir ein zertifiziertes, markenfähiges Produkt als Ersatz parat.

Zurück zu den Pellets: Wann wird der Holzpelletmarkt nach den eher mageren Jahren 2016 und 2017 richtig anziehen und was muss dafür passieren?

Bentele: Ich kann das nicht vorhersagen. Wir haben ein marktreifes Produkt, das dem Verbraucher einen vergleichbaren Komfort wie bei fossilen Feuerungen bietet, aber mit dem wir gigantisch viel CO2 einsparen können – und zwar auf eine sehr wirtschaftliche Weise. Vor diesem Hintergrund bin ich fest davon überzeugt, dass die Energiewende am Wärmemarkt mit Pellets irgendwann kommen wird. Ob das 2030 oder schon früher der Fall sein wird, vermag ich nicht zu sagen. Wir werden natürlich alles dafür tun, dass es so bald wie möglich passiert!

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