Getreidekonservierung wird immer wichtiger

Wegen stark schwankender Witterungsverhältnisse gewinnt die Getreidekonservierung Getreidekonservierung in der Landwirtschaft immer mehr an Bedeutung. Durchgesetzt hat sich dabei die chemische Konservierung mit Hilfe geeigneter Säuren. Sie gilt heute als leistungsstärkstes und kosteneffizientestes Verfahren. Jedoch ist nicht jedem Anwender bewusst, wie die Konservierung mit Säure eigentlich funktioniert. Die AGRAVIS-Expertin Dr. Sabine Rahn erklärt im Interview, was zu beachten ist.

Bildmaterial zum Content


Welche Säure sollte man einsetzen?
Dr. Sabine Rahn
: Bei der Getreidekonservierung werden Wirkstoffe eingesetzt, die in erster Linie gegen Schimmelpilze wirken. Bakterien und Hefen sind aufgrund der vorhandenen Kornfeuchte im eingelagerten Getreide nur extrem selten für einen Verderb verantwortlich. Dementsprechend sollten auch die Wirkstoffe ausgewählt werden. Die Propionsäure hat nach wie vor die größte Bedeutung als Konservierungsmittel für Getreide. Bei richtigem Einsatz ist sie in der Lage, das behandelte Getreide sicher zu konservieren. Wer die Aggressivität der reinen Säure scheut, setzt Grain Save NC zur Konservierung ein. NC steht dabei für „non corrosive" und bedeutet „nicht ätzend". Im Vergleich zur konzentrierten reinen Propionsäure wurde Grain Save NC mit Ammonium abgepuffert. Im Ergebnis ist ein anwenderfreundliches Produkt mit hoher Wirkungssicherheit (90 Prozent PS, pH-Wert 4,1) entstanden. Aufgrund seiner besonderen Produktformulierung ist Grain Save NC weniger korrosiv, Mahl- und Mischanlagen und auch das Lager werden geschont. Außerdem ist Grain Save NC kein Gefahrgut. Somit gibt es keine Mengenbeschränkungen für den Transport.

Wie funktioniert die Konservierung mit Propionsäure?
Dr. Sabine Rahn
: Propionsäure wirkt auf drei verschiedenen Wegen gegen Mikroorganismen. Zum einen senkt reine Propionsäure den pH-Wert auf der Kornoberfläche so weit ab, dass Wachstum und Vermehrung bestimmter Mikroorganismen nicht mehr beziehungsweise nur stark eingeschränkt möglich sind. Des Weiteren ist das nicht dissoziierte Säuremolekül in der Lage, die Zellwand von Mikroorganismen zu durchdringen und vermindert so im Zellinneren den pH-Wert und damit den osmotischen Druck, der zum Zelltod führt. Außerdem blockiert Propionsäure den Enzymstoffwechsel der Mikrobenzelle und eine Vermehrung ist nicht mehr möglich. Entscheidend für die Wirkung ist der pH-Wert in Verbindung mit dem Gehalt an wirksamer Säure. Je höher der pH-Wert ist, desto weniger ist von der enthaltenen Säure mikrobiell wirksam beziehungsweise desto mehr muss dosiert werden. Liegt zum Beispiel der Anteil an wirksamer Säure bei 90 Prozent, ist die Aufwandmenge um zehn Prozent zu erhöhen.

Was passiert bei Unterschreitung der nötigen Wirkstoffmenge?
Dr. Sabine Rahn
: Die ordnungsgemäße Dosierung ist wichtig für die Wirkung. Dazu gehört die Bestimmung der richtigen Aufwandmenge genauso wie eine gute Verteilgenauigkeit. Dosiertabellen helfen, in Abhängigkeit von Kornfeuchte und Lagerungsdauer die Aufwandmenge zu bestimmen. Handelt es sich um eine abgepufferte Variante einer Säure, kann anhand des Gehaltes an aktiver Substanz in Verbindung mit dem pH-Wert des Produktes die Aufwandmenge aus der Tabelle umgerechnet werden. Wichtig ist dabei, dass nicht unterdosiert wird. Wird zu wenig Säure dosiert, ist die Lagerstabilität unsicher, Schimmelpilze wachsen wieder und das Getreide verdirbt. Außerdem bedeutet die Gegenwart von Konservierungsmitteln Stress für Schimmelpilze. Schimmelpilze reagieren in Stresssituationen mit einer vermehrten Bildung von Mykotoxinen. Um dieses Risiko kontrollieren zu können, muss ausreichend Konservierungsmittel dosiert werden. Ist die Aufwandmenge zu niedrig bemessen, bedeutet das zusätzlichen Stress für sie. Das Mykotoxinrisiko steigt.

Welche Rolle spielt das „Ausgasen" der Säure?
Dr. Sabine Rahn
: Das sogenannte „Ausgasen" spielt nur eine untergeordnete Rolle. Mitunter wird die konservierende Wirkung von Propionsäure fälschlicherweise mit ihrem „Ausgasen“ in Verbindung gebracht. Die Gase sollen den Getreidestapel durchziehen und derart vor Verderb schützen. So funktioniert die Konservierung aber nicht. Nach der Anwendung liegen Propionsäure und Grain Save NC nur für sehr kurze Zeit noch als reines und freies Produkt vor. Sie reagieren relativ schnell außerhalb und innerhalb des Getreidekornes mit den Mikrobenzellen. Innerhalb von kurzer Zeit wird die freie Säure vom Korn aufgenommen, das Getreide ist äußerlich trocken und kann in jedes beliebige Lager ohne Probleme eingelagert werden. Würde die Säure weiter ausgasen, wäre das nicht möglich. In der Abluft enthaltene Säure hätte beispielsweise nicht unerhebliche Korrosionsschäden zur Folge.

Gibt es Säureverluste bei der Lagerung?
Dr. Sabine Rahn
: Nein. Propionsäure und auch Grain Save NC gehen während der Lagerung bei richtiger Dosierung nicht verloren. Das belegen auch zahlreiche Untersuchungen. Während der gesamten Lagerungszeit bleibt die zu dosierende Säuremenge im behandelten Gut nachweisbar erhalten. Das sichert seinen Konservierungsstatus. Nur wenn unterdosiert wird, ist dieser auf Dauer nicht sicher und die Propionsäure wird von den Mikroorganismen abgebaut.

Wann sind Zuschläge zur Säuremenge nötig?
Dr. Sabine Rahn
: Zuschläge zur Aufwandmenge müssen zum Beispiel dann erfolgen, wenn das konservierte Getreide anschließend mittels Gebläse gefördert werden soll. Die laut Dosiertabelle empfohlene Aufwandmenge ist dann um mindestens 10 Prozent zu erhöhen. Weiterhin ist bei sehr hohen Einlagerungstemperaturen des Getreides (> 35 Grad) ein Zuschlag von 10 Prozent empfehlenswert. Bei diesen hohen Temperaturen kann ein Teil der Säure verdampfen. Die um 10 Prozent erhöhte Aufwandmenge gleicht das wieder aus.

Dürfen unterschiedlich feuchte Getreidepartien zusammen gelagert werden?
Dr. Sabine Rahn
: Nein. Die gemeinsame Lagerung von unterschiedlich feuchten bzw. behandelten Partien ist zu unterlassen. Das Wasser aus der feuchteren Partie würde sonst in die trockenere Partie wandern, sodass diese dann verdirbt.

Kann man Säure mit Actellic bzw. K-Obiol mischen?
Dr. Sabine Rahn
: Ja. Die Mischbarkeit ist problemlos.

Wie lange muss das Getreide lagern, bis es verfüttert werden darf?
Dr. Sabine Rahn
: Unabhängig davon, ob konserviert oder nicht konserviert – erntefrisches Getreide sollte nicht sofort verfüttert werden. Daran ändert auch die Konservierung mit Propionsäure nichts.

Weitere Infos zum Thema unter www.getreidekonservierung.de www.getreidekonservierung.de

AGRAVIS Raiffeisen AG Kontakt:
Industrieweg 110 48155 Münster ,
Tel:( 0251 ) 6820 FB Twitter Youtube Google+ Instagram