Markt für Zusatzstoffe im Auf und Ab?

Das in der Europäischen Union in Kraft getretene Gesetz zur Neuregelung der Höchstgehalte von Vitamin A in den Futtern ist nun bei Premixen und Mischfutterherstellern in der Umsetzung. Die deutlich geringeren Einsatzraten unterstützen die aktuell ausreichende Verfügbarkeit im Vitamin A-Markt. Konsequenz: keine weiteren Impulse auf das Preisniveau. Dr. Elke Müller-Mußmann, AGRAVIS-Leiterin Einkauf/Handel Futtermittel Futtermittel -Spezialprodukte, analysiert den Markt.

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Dr. Elke Müller-MußmannMarkt für Zusatzstoffe im Auf und Ab?
Dr. Elke Müller-Mußmann

Frau Dr. Müller-Mußmann, wie steht es breiter gefächert um das Thema Vitamine?
Dr. Elke Müller-Mußmann:
Der Preiskampf bei Vitamin E um die Marktführerschaft zwischen den chinesischen und den europäischen Produzenten hält an. Für den Konsum kann sich die Gelegenheit für schwächere Preise ergeben, da einzelne Händler bereit sind, bei größeren Volumen weitere Zugeständnisse zu machen. Wie lange diese Talfahrt anhält, ist nicht abzusehen; abzuwarten bleibt, wer auf diesem Preisniveau den längeren Atem hat.
Deutliche Überhänge bei der Produktion von Vitamin C führen zu einem sehr niedrigen Preisniveau. Für die Produzenten steht die Sicherung ihrer Verkaufsmengen im Vordergrund. Der Markt bleibt daher weiterhin schwach.
Eine andere Situation stellt sich bei Vitamin B1 und B2 sowie B6 dar. Hier kam es in den zurückliegenden Wochen zu einem rasanten Anstieg der Preise, bezüglich der Bestände kann es kurzfristig zu Versorgungsengpässen kommen. Die Kürzungen bei den Produktionskapazitäten, ausgelöst durch staatliche Vorgaben in China, führen zu starken Turbulenzen. Solche hatten wir bereits in der ersten Jahreshälfte bei Folsäure, doch ist hier die Kehrtwende erreicht; der Markt fällt kontinuierlich, Angebot und Nachfrage kommen wieder ins Gleichgewicht.

Wie ist die Marktsituation zu weiteren Themen?
Dr. Elke Müller-Mußmann:
Ein Blick auf die Aminosäuren zeigt, dass die finanziellen Verluste der Produzenten das Ende der Preisspirale bei Lysin herbeigeführt haben; hier tendieren die Preise nun stabil. Bei Methionin sind die Quotierungen deutlich schwächer, aktuell ist der Markt ruhig bei wenig Kaufinteresse. Händler versuchen weiter, sich von ihren Lagerbeständen zu lösen. Eine ähnliche Situation stellt sich auch bei Tryptophan dar: ausreichend Lagerbestand, gute Produktionsmengen, weiche Preise. Threonin hingegen ist in einem leichten Aufwärtstrend. Ob der Ausbau von Produktionskapazitäten neue Impulse setzt, muss die Zeit zeigen.

Und als ein weiterer Ausblick?
Dr. Elke Müller-Mußmann:
Die deutliche Mengenminderung eines großen Zinkproduzenten wirkte sich unerwartet nicht auf den Markt aus; Mitbewerber konnten die Situation ohne Probleme ausgleichen, der Markt bleibt ruhig. Kupfer dagegen lief leicht fester. Im Ausblick ist jedoch hier, bedingt durch die wirtschaftliche Entwicklung in China, eher mit einer sinkenden Nachfrage zu rechnen. Bei den Phosphaten gab es keine Veränderungen. Abzuwarten bleibt, ob der Beginn der Düngersaison 2016 den ausgeglichenen Markt in Bewegung bringt.