Stark N- und P- reduzierte Fütterung in der Praxis

Stefan Weckendorf führt ein Familienunternehmen. Die Grundmauern des Haupthauses, in dem der 42-Jährige heute mit seiner Familie lebt, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Dass der Betrieb so lange erfolgreich ist, liegt sicher auch an der Bereitschaft, das eigene Handeln immer wieder zu hinterfragen und neue Wege zu gehen – manchmal vor allen anderen. Manchmal aber auch, weil neue Gesetze und Verordnungen wie die Novellierung der Düngeverordnung es einfach fordern.

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Mit Reinhard Everding (re.) geht Stefan Weckendorf regelmäßig durch die Ställe und diskutiert wichtige Betriebsabläufe.Stark N- und P- reduzierte Fütterung in der Praxis
Mit Reinhard Everding (re.) geht Stefan Weckendorf regelmäßig durch die Ställe und diskutiert wichtige Betriebsabläufe.

Der erste Einschnitt in den normalen Betriebsalltag erfolgte vor etwa zwei Jahren, als Weckendorf Platz für weitere 2.500 Tiere schaffte. Dadurch musste er erstmals einen Teil seiner Gülle auf fremden Flächen verteilen. Daher machte sich der Ascheberger Gedanken darüber, wie er die Nährstoff-Situation in den Griff bekommen kann. Eine Lösung, die einen nicht allzu großen Eingriff in die bestehenden Prozesse versprach, war das stark N- und P-reduzierte Fütterungskonzept Fütterungskonzept der AGRAVIS Raiffeisen AG.

Stefan Weckendorf steht in ständigem Austausch mit Reinhard Everding. Der Außendienstmitarbeiter der AGRAVIS empfahl ihm vor einigen Jahren bereits eine N- und P-reduzierte Fütterung. Ein Konzept, das bislang aufging. Gemeinsam gehen sie jetzt noch einen Schritt weiter.

Viele Vorteile der speziellen Fütterung

„Mit dem stark N- und P-reduzierten Futter kann an einigen Stellschrauben noch weiter gedreht werden“, erklärt Bernhard Walgern, Produktmanager Schwein Schwein bei der AGRAVIS. Dass der Landwirt kein Risiko eingehe, haben viele Versuche der AGRAVIS hinlänglich bewiesen. Vielmehr überwiegen in den Augen der Experten die Vorteile dieser speziellen Fütterung. „Nicht nur, dass weniger Nährstoffe und Gülle produziert wird, den Tieren geht es auch besser“, weiß Reinhard Everding.

Dadurch, dass die Tiere weniger Rohprotein aufnehmen, werde ihr Stoffwechsel entlastet. Das führt zu besseren Zunahmen und einer besseren Futterverwertung. Diese liegt beim Betrieb Weckendorf derzeit bei 1: 2,75. „Ich glaube fest daran, dass sich dieser Wert noch verbessern wird“, ist der Betriebsleiter überzeugt. Der Kniff des Konzeptes ist die ausgeklügelte Zusammensetzung. „Wir ergänzen das Futter so, dass ein möglichst optimales Protein entsteht“, erläutert Walgern. Dabei wird das Futter auf Basis verdaulicher Aminosäuren konzipiert – sind sie doch die wichtigsten Bausteine für den Fleischansatz.

Weniger Gülle

Den entscheidenden Unterschied macht die vierte und letzte Mastphase: Dann nehmen die Tiere Futter mit nur noch 14 Prozent Rohprotein zu sich – Standard sind 15 bis 16 Prozent – und der Phosphorgehalt ist im Durchschnitt etwa zehn Prozent niedriger als bisher. Was auf den ersten Blick nicht viel erscheint, hat massive Auswirkungen bei den Ausscheidungen: die Phosphorausscheidung verringert sich um 18,5 Prozent, die Stickstoffausscheidung um 5,6 Prozent.

Für Stefan Weckendorf bedeutet das, dass er wesentlich weniger Gülle wird „exportieren“ müssen. Bislang gibt er 2.600 Kubikmeter ab, diesen Wert wird er nach ersten Hochrechnungen von Bernhard Walgern um rund 1.800 Kubikmeter reduzieren können wenn er in Zukunft die gleiche Phosphormenge wie bisher auf seinen Flächen ausbringen darf. Da sich cirka ein Drittel seiner Flächen in der Phosphor-Versorgungsstufe D befinden, müsste er nach dem derzeitigen Entwurf der Düngeverordnung dort 20 Kilogramm P2O5 je Hektar weniger ausbringen und dann wiederum mehr Gülle abgeben.

Auch Kosten werden eingespart

Durch die stark N- und P-reduzierte Fütterung wären es jedoch nur 1.300 Kubikmeter Gülle, die dann abgegeben werden müssten. Da er bei Einsatz des Fisopan-Konzeptes noch weniger Phosphor füttert als im Standardverfahren „stark N- und P-reduziert“ vorgegeben ist, hofft er, dass sich in einigen Jahren die Phosphor-Versorgung der D-Flächen zurück in die Versorgungsstufe C entwickelt. Damit spart Weckendorf enorme Kosten.

Doch die neue Fütterung birgt noch zusätzliches finanzielles Sparpotenzial. „Das Rohprotein ist die teuerste Variable. Reduzieren wir diese, reduzieren wir auch die Kosten“, sagt Reinhard Everding. In Zahlen bedeutet das eine Ersparnis von 1,00 bis 1,50 Euro pro Tier. Angst, dass die Schweine in irgendeinem Mastabschnitt über- oder unterversorgt seien, brauche sich der Landwirt zudem auch nicht machen: „Durch die Unterteilung in die verschiedenen Phasen sind die Tiere jederzeit bedarfsgerecht versorgt.“

Mut, Neues zu wagen

Auf dem Hof Weckendorf finden sich neben dem Mut des Eigentümers, etwas Neues zu wagen, die idealen Voraussetzungen für die spezielle Fütterung. So entstand mit dem neuen Stall eine eigene Futterküche, sechs Silos bieten Platz für 80 Tonnen Fisopan. Damit hat er optimale Möglichkeiten das Futter dem Bedarf der Tiere in den einzelnen Mastphasen anzupassen. „Wir sehen in der Fütterung eine der wichtigsten Stellschrauben“, betont Stefan Weckendorf. So findet sich sein Grundsatz „An der Fütterungstechnik darf nicht gespart werden“ in nahezu allen Abläufen wieder. „Das Thema nährstoffreduzierte Fütterung ist nicht neu, aber jetzt wird es für viele Landwirte akut“, sagt Walgern. Für viele Betriebe besteht die Möglichkeit,durch entsprechende Fütterungskonzepte die Konsequenzen der geplanten Düngeverordnung zu entschärfen.

Die AGRAVIS selbst beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Fragestellung und hat zahlreiche, individuelle Lösungen und Ansätze in den Segmenten Olympig-Alleinfutter Olympig-Alleinfutter , Fisopan-Ergänzungsfutter Fisopan-Ergänzungsfutter und Vitamiral-Mineralfutter Vitamiral-Mineralfutter parat. „Wir wissen, wie es geht.“ Stefan Weckendorf zieht ein positives Fazit aus den ersten Wochen, in denen er auf das neue Konzept setzt: „Die Tiere haben in keiner Weise negativ auf die Umstellung reagiert, die Zunahmen sind konstant.“

Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es bei den Produktionsberatern und bei Produktmanager Bernhard Walgern, Tel. 0251 . 682-2283, bernhard.walgern@agravis.de.