Vollmilch in der Kälberaufzucht sinnvoll ergänzen

Vor dem Hintergrund einer drohenden Superabgabe entscheiden sich viele Milchviehbetriebe dafür, überschüssige Vollmilch an die Kälber Kälber zu vertränken. Damit diese Art der Aufzucht gelingt, sollten einige Punkte beachtet werden.

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Das Kasein der Vollmilch gerinnt im Labmagen ab etwa 35 Grad Celsius. In der rationierten Aufzucht mit fünf bis sechs Litern am Tag muss die Trinktemperatur also darüber liegen, da die Trinkgeschwindigkeit der Kälber hoch ist. In der intensiven Aufzucht mit hohen Tränkemengen von zehn bis zwölf Litern pro Tag ist die Temperatur der Tränke weniger von Bedeutung, da die Kälber langsam trinken.

Der Energiegehalt der Vollmilch liegt bei knapp drei Megajoule Umsetzbare Energie (MJ ME) pro Liter. Der Energiebedarf eines jungen Kalbes für Erhaltung und einer Tageszunahme von etwa 500 Gramm liegt in einem milden Winter bei etwa 20 MJ ME. Bei dieser Temperatur reichen sieben Liter, wird es kälter, muss die Tränkemenge weiter angehoben werden. Der hohe Fettgehalt der Vollmilch kann in einzelnen Betrieben zu Durchfallproblemen führen. Vor diesem Hintergrund ist auf intakte Nuckel bei der Fütterung zu achten, da die Fettverdauung mit der Einspeichelung der Tränke im Maul beginnt. Die Versorgung mit Eiweiß und Mineralstoffen ist immer gesichert, wenn das Kalb durch die Vollmilch energetisch gut versorgt ist.

Betrachtet man in der Gruppe der Vitamine einmal stellvertretend das Vitamin A, so wird in der Literatur für ein 50 kg schweres, gesundes Kalb ein Bedarf von 12.000 bis 15.000 Internationale Einheiten (I.E.) pro Tag angegeben. In der Vollmilch geht man pro Liter von etwa 1.000 I.E. aus. Daraus ergibt sich ein Bedarf von 12 bis 15 Liter pro Tag, um den Vitamin-A-Bedarf zu sichern.

In der Gruppe der Spurenelemente ist vor allem das Eisen zu nennen. Dieses Spurenelement ist das Zentralatom im Hämoglobin, welches in den roten Blutkörperchen den Sauerstoff bindet. Ein latenter Eisenmangel führt bereits zu einer Schwächung des Immunsystems, ein akuter Mangel führt zu einem Sauerstoffmangel im Blut der Kälber. Die Folge ist ein gehäuftes Auftreten von Bronchitiden und Enteritiden. Der Gehalt an Eisen in der Vollmilch wird von der Wissenschaft mit etwa 0,5 Milligramm pro Liter angegeben. Der Bedarf junger Kälber wird mit mindestens 100 Milligramm beschrieben. Es ist also bei reiner Vollfütterung nicht möglich, ein Kalb ausreichend mit Eisen zu versorgen.

In diesem Zusammenhang empfiehlt sich der Ergänzer Combimilk Ideal in einer Menge von 100 bis 150 Gramm pro Tier und Tag. Neben organisch gebundenen Spurenelementen und Vitaminen enthält Combimilk Ideal auch eine Grundausstattung an Säure zur Durchfallprophylaxe. Auch ein gesundes Euter stößt regelmäßig Körperzellen über die Milch ab. Der Anteil dieser somatischen Zellen liegt in der Regel unter 100.000 pro Milliliter Milch.

Nun gibt es allerdings viele Faktoren, die den Anteil der somatischen Zellen negativ beeinflussen, ohne dass es zu einer Entzündung im Euter kommt. Da es sich bei einem erhöhten Gehalt an somatischen Zellen in der Regel nicht um ein akutes Krankheitsgeschehen handelt, kann diese Milch ohne Bedenken an Kälber verfüttert werden. Von einer akuten Euterentzündung ist dann auszugehen, wenn die Zellzahl plötzlich übermäßig hoch ansteigt. Diese Milch sollte entsorgt werden.

Immer wieder diskutieren Fachleute kontrovers die Möglichkeit, dass sich infektiöse Erreger der Mastitis, speziell der Staphylococcus aureus, durch die Verabreichung von kontaminierter Milch im Bestand verbreiten und erhalten. Es ist nach wie vor nicht erwiesen, dass sich diese Eutererreger über die Verabreichung der Hemmstoffmilch im juvenilen Eutergewebe der Kälber einnisten und dort verkapselt einen langen Zeitraum überdauern können. Im Gegensatz zu der möglichen Übertragbarkeit der Mastitiserreger ist die mögliche Resistenzbildung nach der Verabreichung hemmstoffhaltiger Milch allerdings sehr wohl bekannt und von der Wissenschaft belegt.

Die an Mastitis erkrankten Euter befinden sich häufig noch in der antibiotischen Behandlung oder in der nachtherapeutischen Wartezeit. Schon geringste Mengen an diesen pharmakologisch wirksamen Substanzen provozieren eine Resistenz im Körper, die das Kalb für den Rest seines Lebens begleiten wird. Aus diesem Grunde ist davon abzuraten, hemmstoffhaltige Milch an die Kälber zu verfüttern.

Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es bei Klaus Bürsken, Tel. 0172 . 5306363, klaus.buersken@agravis.de oder unter der kostenlosen Hotline, Tel. 0800 . 682-1133.