AGRAVIS: 2009 gut behauptet trotz Krise


schleppender Start in 2010

  • 4,6 bis 4,8 Mrd. Euro Umsatz im laufenden Geschäftsjahr erwartet
  • „Regionalitätsprinzip bröckelt“
  • AGRAVIS-Hauptversammlung in Treuenbrietzen/Brandenburg

„Volatile Agrarmärkte, eine in diesen Ausmaßen noch nie gesehene Wirtschafts- und Finanzkrise weltweit sowie der allgemein scharfe Wettbewerb im Agribusiness hat die Agrarunternehmen 2009 vor große Herausforderungen gestellt,“ bilanzierte Dr. Clemens Große Frie, Vorsitzender des Vorstandes der AGRAVIS Raiffeisen AG, auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Treuenbrietzen. Vor den über 750 Aktionären und Gästen erklärte er, dass die richtigen Weichenstellungen vorgenommen werden mussten, um sich anbietende Wachstumschancen nutzen zu können. „Der Stellenwert unternehmensstrategischer Entscheidungen hat daher im Agribusiness in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugenommen – auch bei der AGRAVIS“, so Große Frie. „In diesem Umfeld hat sich die AGRAVIS gut bewegt und behauptet. Den Konzernumsatz 2009 konnten wir mit knapp 5 Mrd. Euro oberhalb unserer eigenen Planungen feststellen – aber unterhalb des Umsatzes im Ausnahmejahr 2008.“ Auch das Ergebnis vor Steuern, so die Bewertung des AGRAVIS-Chefs, konnte mit 23,3 Mio. Euro erfreulich stabil gehalten werden. Die Umsatzrendite legte zwar zu, sei aber mit 0,47 Prozent noch steigerungsfähig, wie Große Frie bemerkte.

Für das aktuelle Geschäftsjahr nannte Große Frie vor der Hauptversammlung erste Zahlen: „Der Geschäftsverlauf der ersten vier Monate weicht erheblich von dem der vergangenen Saison ab.“

Die andauernde Wirtschafts- und Finanzkrise halte die AGRAVIS weiterhin in Atem – Lichtblicke wie in anderen Branchen seien noch nicht erkennbar. Dennoch betonte der AGRAVIS-Chef: „Wir liegen oberhalb unserer eigenen Umsatz- und Ergebnisplanung.“ Als Gründe dafür führte er beispielsweise an, dass das Düngemittelgeschäft besser angelaufen sei als ein Jahr zuvor, jedoch sei wegen der preislichen Unsicherheiten noch die eine oder andere Verkaufszurückhaltung spürbar. Im Pflanzenschutzbereich gehe der „brutale Wettbewerb“ des Vorjahres unverändert und unvermindert weiter. „Es ist nicht nur der spät einsetzende Frühling, sondern das ruinöse überregionale Wettbewerbsverhalten, das die erwartbare Marge drückt“, so der AGRAVIS-Chef in seinen Ausführungen vor der Hauptversammlung. Der Bereich Tiere habe preisbedingte Rückgänge im Umsatz verbuchen müssen, könne jedoch bis April volumen- und tonnagemäßig das Niveau des Vorjahres halten. „Natürlich gehen die Diskussionen um Milchpreise, Schweinepreise und Ferkelpreise nicht ohne Auswirkungen an uns als Futtermittelproduzent vorbei“, bemerkte Große Frie mit Blick nach vorn.
Der Bereich Technik zeige den geplanten Umsatzrückgang, allerdings nicht in der erwarteten Größenordnung. Positiv entwickle sich im technischen Bereich insbesondere der Servicebereich.
Der Bereich Bauservice verzeichne einen Umsatzrückgang, was nach dem langen Winter nicht erstaune. „Wir hoffen hier noch im Laufe des Jahres einiges zu kompensieren“, so der AGRAVIS-Chef. Im Bereich Märkte konnte das Unternehmen weiter zulegen und bis April ein leichtes Umsatzplus gegenüber dem Vorjahreszeitraum zeigen. Der Bereich Energie habe in den ersten Monaten die preislichen Auf- und Ab-Bewegungen zu managen gehabt.

Umsatz und Ergebnis lägen per Ende April im Erwartungshorizont. „Insgesamt beläuft sich der AGRAVIS-Umsatz Ende April auf knapp 1,6 Mrd. Euro. Das entspricht einem etwa gleich starken Umsatz wie im Vorjahr - allerdings bei einem durchweg geringeren Preisniveau.“ Insgesamt geht die AGRAVIS von einem Umsatz in 2010 von 4,6 bis 4,8 Mrd. Euro aus. Beim Ergebnis vor Steuern erhofft sich Große Frie, „dass wir die Grenze von 20 Mio. Euro erreichen und knacken.“

Darüber hinaus betonte er vor der Hauptversammlung, dass sich die Welt, in der das Unternehmen arbeite, schnell verändere. „Das Regionalprinzip bröckelt“, so Große Frie, der hierfür etliche Beispiele sieht und kommentierte: „Die Großhandelsteilnehmer zeigen veränderte Verhaltensmuster und tragen somit – wie auch die AGRAVIS – dazu bei, dass der Markt zwar bunter, aber anstrengender, tendenziell margenschwächer und undurchschaubarer wird.“ Trotzdem stellt Große Frie fest: „Unsere genossenschaftliche Welt ist in einigen Handelsbeziehungen weniger verlässlich geworden – in anderen Beispielen aber gleichzeitig auch intensiver und nachhaltiger aufgrund existierender und für beide Seiten gewinnbringender Geschäftsbeziehungen.“ Für die AGRAVIS seien Verlässlichkeit, Nachvollziehbarkeit und der Wille auf beiden Seiten – aufgrund des genossenschaftlichen Verbandes – die Geschäftsbeziehungen zu nutzen und zu optimieren, „ein sehr, sehr hohes Gut, welches wir nicht unbedingt dem allgemeinen Marktgeschehen preisgeben möchten. Wir werden um Substanzerhaltung kämpfen“, kündigte er an. „Wir wollen und werden in der Wertschöpfungskette zwischen Markt und Produktion starker Systempartner und -koordinator für Landwirtschaft, Lieferanten und Vermarkter sein und bleiben.“

Hannover und Münster, im Mai 2010

AGRAVIS Raiffeisen AG

Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist ein modernes Agrarhandels- und Dienstleistungsunternehmen mit rund 6,5 Mrd. Euro Umsatz und aktuell über 5.300 Mitarbeitern. Die Schwerpunkte der AGRAVIS Raiffeisen AG liegen mit den Geschäftsbereichen Pflanzen, Tiere und Technik in den klassischen Agrarsparten. Darüber hinaus betreibt das Unternehmen die komplementären Geschäftsbereiche Bauservice, Märkte und Energie.
Die AGRAVIS Raiffeisen AG ist Großhandelspartner der Primärgenossenschaften vor Ort, die das Geschäft mit den Landwirten verantworten. Daneben beliefert die AGRAVIS Raiffeisen AG über Tochtergesellschaften – in Regionen ohne Primärgenossenschaften – die Landwirte auch direkt.
Das Arbeitsgebiet der AGRAVIS Raiffeisen AG reicht über Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hinaus bis nach Bremen, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Unternehmenssitze sind Hannover und Münster. www.agravis.de

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