Wildacker-Mischungen


Landesjägerschaft Niedersachsen

Wildäcker haben einen hohen ökologischen Nutzen. Mit ihrer artenreichen Vegetation bilden sie nicht nur für unser heimisches Wild einen attraktiven Lebensraum, sondern auch für viele andere Tiere – von wichtigen Insektenarten bis hin zur seltenen Zauneidechse. In Zeiten, in denen die Kulturlandschaft zunehmend artenärmer wird, sind Wildäcker eine wertvolle Maßnahme, dem Wild ganzjährig ein attraktives Nahrungsangebot zu bieten. Um einen artenreichen Wildacker zu erreichen, gilt es einiges zu beachten. Zu berücksichtigen sind vor allem die Bodenbeschaffenheit und die Saatmischung: Die Landesjägerschaft Niedersachsen hat verschiedene Saatmischungen in der Praxis erprobt und vier Mischungen für unterschiedliche Anforderungen zusammengestellt: Für Sandböden (LJ Sand), für Böden mit besserer Qualität (LJ Lehm), speziell für die Anlage von Schneisen (LJ Schneise) und für Blühstreifen und Rapsfruchtfolgen (LJ Blühstreifen). Die Ergebnisse für alle vier Saatmischungen waren sehr überzeugend sowohl im Hinblick auf die Vegetation als auch auf die Attraktivität für die Tierwelt.


Von Links: Josef Schröer, Stellvertretender Präsident, LJN Präsidium; Stephan Johanshon, Stellvertretender Geschäftsführer, LJN Geschäftsstelle; Martin Melcher, Leiter Saatgut Verkaufsregion West, AGRAVIS Raiffeisen AG
Neue Mischung LJ RüSa

Der Bereich Pflanzenbau der AGRAVIS Raiffeisen AG bringt die neue Mischung „Rückzugs- und Saumflächen“ (LJ RüSa) auf den Markt. Die LJ RüSa unterstützt durch die mehrjährige Nutzung wildlebende Tiere und leistet dadurch einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft.
Bereits seit einigen Jahren arbeiten die AGRAVIS Raiffeisen AG und die Landesjägerschaft Niedersachsen e. V. eng zusammen. Insgesamt entstanden im Laufe der Jahre fünf Mischungen, von denen zwei Mischungen sogar NAU/BAU-geeignet sind.
Auch die neue Mischung ist in der Praxis erprobt und bietet vielen Wildtieren mehrjährig Rückzugsbereiche am Saum von Feld und Wald, daher auch der Name LJ RüSa.

Die exklusive Bezugsquelle sind die Genossenschaften und Kornhäuser.

Inhalte der Mischung:

  • 10 % Sommerhafer
  • 20 % Winterhafer
  • 25 % Buchweizen
  • 10 % Phacelia
  • 7,5 % Knaulgras
  • 7,5 % Rohrglanzgras
  • 5 % Sonnenblumen
  • 2,5 % Winterwicke
  • 2,5 % Inkarnatklee
  • 1,0 % Hornschotenklee
  • 1,5 % Esparsette
  • 2,0 % Borretsch
  • 1,5 % Ringelblume
  • 1,5 % Kulturmalve
  • 1,0 % Weißer Steinklee
  • 1,0 % Markstammkohl
  • 0,5 % Stoppelrüben

Saatstärke 20 kg/ha

Vorbereitung

Vor der Anlage eines Wildackers gilt: Sind auf der zu bearbeitenden Fläche hartnäckige Wurzelunkräuter wie Quecke, Distel, Ackerwinde oder ähnliches vorhanden, ist eine Herbizid- Vorbehandlung mit einem Glyphosat in voller Aufwandmenge erforderlich. Nach der vorgeschriebenen Wartezeit (je nach verwendetem Produkt kann sie zwischen 7 und 14 Tagen liegen) kann bei trockenen Bodenverhältnissen mit der Bodenbearbeitung begonnen werden.

Um das Saatbett bestmöglich zu bereiten, muss die Fläche zunächst gepflügt oder mit einem Schwergrubber bearbeitet werden; dies dient der Auflockerung des Bodens. Im Anschluss findet eine Rückverfestigung mit einem Feingrubber statt. Wird die Saat mit einer Kreiselegge-Drillmaschine ausgeführt, geschieht die Rückverfestigung unmittelbar vor der Einsaat in einem Arbeitsschritt.

Einsaat

Die Einsaat erfolgt Ende April/Mitte Mai.
Folgende Saatstärken werden von der Landesjägerschaft empfohlen:

  • Für die Mischung LJ Sand: 10 kg/ha
  • Für die Mischung LJ Lehm: 8 kg/ha
  • Für die Mischung LJ Schneise: 8 kg/ha

Diese Saatstärken sollten nicht überschritten werden, da zu dichte Pflanzenbestände vom Wild nur ungern angenommen werden. Zudem können sich bei lockerer Einsaat auch natürliche Wildkräuter ansiedeln, die die Attraktivität des Wildackers zusätzlich steigern. Die Schneisenmischung sollte bei Beikrautüberwuchs geschröpft werden.
Wildackerflächen sollten grundsätzlich ein-, höchstens zweijährig sein – Flächen die längere Zeit einseitig als Wildacker genutzt werden, enthalten ein hohes Potenzial an Samen von Schadpflanzen. Das Anlegen eines Wildackers sollte möglichst im Wechsel mit konventionellen Ackerbaukulturen erfolgen. Folgende Kombinationen sind im Rahmen einer ackerbaulichen Fruchtfolge empfehlenswert:

1. Jahr Wildackermischung
Ansaat
Wildackermischung
Ansaat
Mais/Getreide
2. JahrMais/Getreide Bestand vom Vorjahr
bleibt
Wildackermischung
Ansaat
3. JahrWildackermischung
Ansaat
Mais/GetreideBestand vom Vorjahr
bleibt
4. JahrBestand vom Vorjahr
bleibt
Wildackermischung
Ansaat
Mais

Das Hudern und Trockenlaufen zählt zum Komfortverhalten des Niederwildes. Wir empfehlen deshalb, das Saatgut in Streifen und zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahreslauf zu säen, damit dem Wild ausreichend Gelegenheit gegeben wird, diesem Verhalten nachzukommen. Bis Mitte August eingesät bietet sich die Wildackermischung auch hervorragend als Zwischenfrucht nach Getreide oder Raps an.

Düngung

Für die Jugendentwicklung und spätere Blühphase der Pflanzen ist eine Düngergabe zur Saat vorteilhaft, mögliche Düngervarianten sind:

  • Volldünger 12-12-17-2 3 dt/ha
  • Kalkammonsalpeter 1,5 dt/ha
  • plus P/K MIschdünger 2–3 dt/ha
  • Gülledüngung 10 m³/ha

Sollte eine Gülledüngung geplant sein, muss diese vor der Bodenbearbeitung ausgebracht werden.

Blühstreifen

Die Wildackermischungen eignen sich auch ideal zur Einsaat von Blühstreifen, die im Rahmen von Verpflichtungen des Niedersächsischen und Bremer Agrar-Umweltprogramms (NAU/BAU) angelegt werden müssen (Codierung 591 bzw. 592). In diesen Fällen sind die entsprechenden Cross Compliance (CC) relevanten Vertragsverpflichtungen hinsichtlich Düngung, Pflanzenschutz und Anbauzeit zu beachten. Blühstreifen sollten aus Wildschutzgründen möglichst nicht in Straßennähe angebracht werden. Um einer Verunkrautung vorzubeugen empfiehlt es sich außerdem alle 2 Jahre den Standort zu wechseln.

Mischungszusammensetzung

1. Mischung mit besonderer Eignung für Sandstandorte (LJ Sand):
  • 45 % Hafer
  • 25 % Buchweizen
  • 10 % Sonnenblumen
  • 7 % Markstammkohl
  • 5 % Senf
  • 5 % Futterraps
  • 3 % Ölrettich
  • Saatstärke 10 kg/ha
2. Mischung mit besonderer Eignung für bessere Böden (LJ Lehm):
  • 35 % Luzerne
  • 25 % Buchweizen
  • 16 % Markstammkohl
  • 12 % Senf
  • 8 % Futterraps
  • 4 % Ölrettich
  • Saatstärke 8 kg/ha
3. Mischung mit besonderer Eignung für Schneisen (LJ Schneise):
  • 70 % Serradella
  • 30 % Perserklee
  • Saatstärke 8 kg/ha
4. Mischung für alle Blühstreifen und Rapsfruchtfolgen (LJ Blühstreifen):
  • 45% Hafer
  • 30% Buchweizen
  • 10% Sonnenblume
  • 7 % Lupine (bitter Lupine)
  • 3 % Malve
  • 3 % Esparsette
  • 2 % Ringelblume
  • Saatstärke 10 kg/ha

Die Broschüre der Landesjägerschaft Niedersachsen 'Wildacker-/Blühstreifen-Mischungen' zum Download